11.01.2018

»Hammer-Gruppe« als Herausforderung

Handball Europameisterschaft

Der ehemalige Flensburg-Coach Ljubomir Vranjes (2. v. r.) ist jetzt ungarischer Nationaltrainer. (Fotos: Ungarischer Handballbund/UHB)

Veszprém. Ljubomir Vranjes wirkte entspannt und gelöst, als wir ihn wenige Tage vor Weihnachten in seiner neuen Wahlheimat trafen. Der ehemalige Trainer der SG Flensburg-Handewitt, der seit dem Sommer Coach in Veszprém und von Ungarns Nationalteam ist, gewährte wenige Wochen vor der Europameisterschaft in Kroatien (12.-28. Januar) einen exklusiven Einblick in sein Leben am Balaton. 


Und er gab uns ein Interview, berichtet von seinem ersten Halbjahr in Ungarn und welche Ziele er mit den Magyaren bei seiner ersten Endrunde als Nationalcoach verfolgt. Nach zwei Testspielen am vergangenen Sonnabend und Montag gegen sein Heimatland Schweden (29:29 und 29:31) wartet zum EM-Auftakt am Sonnabend (20.30 Uhr/live TV2) der zweifache Europameister Dänemark um seine ehemaligen Schützlinge Lasse Svan, Rasmus Lauge, Henrik Toft Hansen und Anders Zachariassen. Die weiteren Vorrunden-Gegner sind Spanien und Tschechien. In einer möglichen Zwischenrunde könnte Deutschland hinzukommen. 

Flensborg Avis: Ljubomir, wie geht es Ihnen, wie ist das Leben in Ungarn?

Ljubomir Vranjes: Es geht mir gut, danke. Ich habe viel mehr Zeit und vor allem viel mehr Energie zum jetzigen Zeitpunkt der Saison als in den letzten Jahren. Ich habe richtig Lust auf Handball. 
Sie bereuen ihren Wechsel also nicht? 
Ljubomir Vranjes: Nein, auf keinen Fall. Ich habe im ersten Halbjahr in Ungarn nur sechs Übernachtungen im Hotel gehabt. Die Abstände und Reisen sind hier einfach viel kürzer. Ich kann meine Kinder von der Schule holen und zum Sport fahren, das kennen sie gar nicht. 
Und sportlich, sind Sie ebenfalls zufrieden? 
Ljubomir Vranjes: Wir haben in der Liga alle Spiele gewonnen und sind Erster (15 Siege, 30 Punkte/Red.). In der Champions League haben wir ein paar Punkte liegen gelassen, aber es dauert auch noch einige Zeit, bis sich die Mannschaft an meinen Handball gewöhnt hat. 
Jetzt stehen Sie vor ihrem EM-Debüt als Nationaltrainer, auch ein Grund weshalb Sie gewechselt sind. Ihr Wunsch war es, Nationaltrainer zu werden. Wie schätzen Sie Ihre Vorrunden-Gruppe ein? 
Ljubomir Vranjes: Es ist eine Hammer-Gruppe. Dänemark und Spanien sind zwei Weltklasse-Teams, die bei den letzten Turnieren fast immer im Halbfinale waren. Es wird schwer gegen diese beiden etwas zu holen, aber vielleicht können wir überraschen und einen Punkte oder zwei holen. Das Spiel gegen Tschechien ist für uns das entscheidende. Die Tschechen können wir schlagen und das ist unser Ziel, wir wollen Dritter werden und weiterkommen. Ich sehe die Gruppe als Herausforderung, schließlich ist es auch für mich als Trainer eine neue Situation, mit einem Team zu arbeiten, dass vielleicht nicht ganz mit den Besten mithalten kann. Bei der letzten WM kam Ungarn allerdings bis ins Viertelfinale und hat Dänemark im Achtelfinale ausgeschaltet ... Die Mannschaften sind aber nicht miteinander zu vergleichen. Fünf Spieler aus der Startformation der Ungarn haben aufgehört, darunter auch Superstar László Nagy. Ich habe jetzt einige junge Spieler dabei. Es gab einen Umbruch und die EM wird ein Schritt für das Nationalteam sein. Ein Schritt zur Qualifikation zu den Olympischen Spielen 2020. Für die wollen wir uns qualifizieren und dann schauen ob wir mit einer entsprechenden Entwicklung um bessere Platzierungen mitspielen können. 
Warum hat László Nagy aufgehört? 
Ljubomir Vranjes: Er ist jetzt 36 Jahre alt und hat andere Prioritäten gesetzt. Ich hätte ihn gerne dabei gehabt, aber respektiere seine Entscheidung. Es macht auch nie Sinn, einen Spieler zu etwas zu überreden, wenn er nicht mehr voll dahinter steht. 

Wie sieht die neue Mannschaft aus, wer sind die Stützen? 

Ljubomir Vranjes: Die meisten Spieler kommen aus meinem Verein Veszprém und aus Szeged. Einige auch von Tatabánya (3. der ungarischen Liga/Red.). Aus der Bundesliga ist Donát Bartók (TBV Lemgo) dabei. Im Tor ist Roland Mikler die klare Nummer eins. Spielmacher sind die erfahrenen Gábor Császár (Kadetten Schaffhausen) und Máté Lékai (Veszprém). Am Kreis haben wir mit Bence Bánhidi (Pick Szeged) und Szabolcs Szölössi (Tatabánya) zwei talentierte Spieler. Wer sind die EM-Favoriten? Es gilt Dänemark zu schlagen, ganz klar. Auch Frankreich und Spanien haben gute Mannschaften. Schweden hat bei der letzten WM überragenden Handball gespielt und kann jeden schlagen, gleiches gilt für Norwegen oder die Slowenen und Deutschland. Die Kroaten haben Heimvorteil und es gehört schon eine Menge Qualität und Erfahrung dazu, um in Kroatien gegen sie zu bestehen. 
Deutschland kommt als Europameister, wie sehen sie die Chancen der Deutschen
Ljubomir Vranjes: Sie haben eine super Mannschaft, vielleicht noch besser als vor zwei Jahren. Damals hatten sie den Überraschungseffekt, der ist diesmal weg, aber sie spielen sicherlich um die Medaillen mit. 
Zum Auftakt geht es gegen Dänemark mit vielen alten SG-Spielern und Nikolaj Jacobsen als Trainer. Sie kennen ihn gut aus den Duellen mit den Rhein-Neckar Löwen in der Bundesliga (der Däne ist dort auch Vereinstrainer/Red.) - ein Vorteil? 
Ljubomir Vranjes: Für ihn vielleicht. Dänemark hat eine klasse Mannschaft und ist viel besser besetzt. Ich freue mich Nikolaj wiederzusehen. Vielleicht können wir mit ein paar Tricks überraschen, aber sie sind natürlich Favorit. Was erwarten sie von der EM in Kroatien? Ich erwarte vor allem volle Hallen und eine fantastische Stimmung. Kroatien ist ein handballverrücktes Land und viele Teilnehmer sind Nachbarländer vom Balkan. Auch für unsere Fans aus Ungarn ist der Weg nicht weit und ich hoffe auf ihre Unterstützung.

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