11.02.2018

Neun Spiele ohne Sieg: Die Luft scheint raus

Fußball

Holstein Kiel (blaue Trikots) unterlag auf dem Betzenberg. (Foto: Uwe Anspach/dpa)

Kaiserslautern. Keine Punkte und dazu ein Schwerverletzter: Für Markus Anfang stand die Reise an seinen einstigen Arbeitsplatz unter keinem guten Stern. Die Stimmung ließ sich Holstein Kiels Trainer dennoch nicht vermiesen. Jedenfalls äußerlich nicht. 

»Für uns bricht keine Welt zusammen. Wir sind Aufsteiger und durften heute auf dem Betzenberg spielen«, sagte der 43-Jährige nach dem 1:3 (1:2) beim 1. FC Kaiserslautern in der 2. Fußball-Bundesliga. Und gratulierte den Pfälzern, für die er zwischen 2002 und 2004 die Töppen geschnürt hatte, zu drei eminent wichtigen Punkten im Kampf um deren Klassenverbleib. Den haben die »Störche« mit zu diesem Zeitpunkt nie erwarteten 36 Punkten ja praktisch schon geschafft. Sie sind nach wie vor Dritter in der Liga, aber dem Überraschungsteam der Hinrunde hat vor 20.664 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion etwas gefehlt. 

»Kaiserslautern hat von Beginn an große Leidenschaft gezeigt. In den ersten fünf Minuten haben wir nicht stattgefunden«, sagte Trainer Anfang. Auch dessen Stützen waren nach der ersten Pleite im neuen Fußballjahr und der seit neun Spielen anhaltenden Sieglos-Serie merklich angefressen. »Kaiserslautern hat uns vorgemacht, wie man ein solches Spiel mit Mentalität und Leidenschaft angehen muss. Das war der entscheidende Punkt«, sagte Kapitän Rafael Czichos. Sein Nebenmann in der Innenverteidigung Dominik Schmidt sah dies ebenso und ging mit sich selbst hart ins Gericht: »Ich muss mich bei meiner Mannschaft wohl entschuldigen, es war nicht mein bester Tag.« Routinier Schmidt war der Sünder, der die Hausherren mit einem unnötig verschuldeten Elfmeter auf die Siegerstraße gebracht hatte. FCK-Kapitän Christoph Moritz verwandelte diesen fast mit dem Halbzeitpfiff, nachdem David Kinsombi (32. Minute) die frühe Gastgeber-Führung durch Brandon Borrello (3.) egalisiert hatte. Der Garaus wurde den Kielern schließlich vom überragenden Osayamen Osawe (51.) gemacht. »Wir haben es heute nicht geschafft, Osawe zu verteidigen. Er war der beste Mann auf dem Platz«, befand Anfang.

Atypisch für Kiel

Nach dem Doppelschlag war irgendwie die Luft raus. Das spürte auch Alexander Mühling. »Wir bekommen direkt vor und nach der Pause zwei schnelle Gegentore. Und dann läufst du nur noch hinterher«, beschrieb der sonst so agile Mittelfeldspieler den Auftritt der Gäste in der letzten halben Stunde. Das war atypisch für die Kieler Himmelsstürmer des Herbstes. »Wir wissen, dass wir es besser machen können, und wir müssen die richtigen Schlüsse aus dieser Niederlage ziehen«, forderte Verteidiger Johannes Bergh. Am besten schon am kommenden Sonnabend, wenn Erzgebirge Aue mit Trainer Hannes Drews an der Förde aufspielt. Amara Condé wird dann allerdings fehlen. Der vom VfL Wolfsburg ausgeliehene 21 Jahre alte Mittelfeldspieler musste sein Startelf-Debüt bitter bezahlen. Condé zog sich einen Mittelfußbruch zu und wird nach Vereinsangaben zwei bis drei Monate ausfallen.


(dpa)

Vermarktung:

Mehr zum Thema