Fußball

Fokus Torwarttraining - der Name ist Programm

Ruwen Möller
27. Mai 2020, 17:24 Uhr

Florian Kirschke gibt seine Erfahrung an junge Torwarttalente wie Niklas Petzold weiter. Foto: Martin Ziemer

Friedrichsberg. »Und fest«. »Gut so, die sind sicher, da brennt nichts an« - laut und deutlich sind die lobenden Anfeuerungen von Florian Kirschke zu hören. Die Stimme des Torhüters vom SC Weiche Flensburg 08 hallt über das ansonsten fast menschenleere Trainingsgelände beim TSV Friedrichsberg-Busdorf. Neben dem Regionalliga-Keeper sind noch drei weitere Torleute auf dem Rase. Sie bewegen sich abwechselnd zwischen Hütchen, Stangen, Torpfosten und allerlei anderem Trainingsmaterial hin und her. Es ist ein Freitag Nachmittag im Mai, mitten in der Coronakrise, die gleichzeitig auch eine Fußball-Zwangspause mit sich brachte. Um 14 Uhr, pünktlich zum Trainingsbeginn fängt es an zu regnen.
»Das ist ekliges Wetter heute, Torwart-Wetter«, ruft Kirschke und freut sich. Mia-Lotte Petersen, Niklas Petzold und 
Jannik Hannemann sind bereits nach wenigen Minuten klitschnass, es macht ihnen aber nichts aus. Auch sie sind voller Freude. Zum einen, weil sie überhaupt wieder ein bisschen Fußball-Training haben, zum anderen, weil es ein ganz besonderes Torwarttraining von und mit Florian Kirschke ist. Der SC-Keeper bietet seit einigen Monaten unter dem Namen »Fokus Torwarttraining« ein spezielles Training für Goalis an.

Als Torwart beim SC darf Kirschke durchaus als Halbprofi oder Amateur unter profiähnlichen Bedingungen angesehen werden. Fünf, sechs Trainingseinheiten die Woche, mittlerweile auch tagsüber, sind längst üblich an der Bredsteder Straße.
»Ich wolle mir nebenbei noch etwas aufbauen und hatte immer die Idee, meine Erfahrungen weiter zu geben«, so Kirschke, der sein Engagement irgendwo zwar als zusätzliches Standbein sieht, seinen Antrieb aber an anderer Stelle gewinnt.
»Davon werde ich sicherlich nicht reich. Wenn einmal im Jahr ein Urlaub davon rausspringt, ist es schön, aber ich denke die Preise sind fair und das Finanzielle ist nicht der Grund für mein Training«, so Kirschke. »Es gibt einfach so viele Torhüter mit guten Voraussetzungen. Wenn diese aber kein vernünftiges Training bekommen, dann noch Wachstumssprünge machen, schleichen sich Fehler im Bewegungsablauf ein, die man schwer oder irgendwann gar nicht mehr rausbekommt.« Dabei denkt Kirschke vor allem an Nachwuchs-Keeper wie seine drei Schützlinge auf dem Platz in Friedrichsberg.


Florian Kirschke möchte ein Angebot für die breite Masse und in der gesamten Region schaffen. »Große Vereine haben oftmals einen Torwarttrainer. Beim SC sind wir dahingehend auch gut aufgestellt, aber es gibt viele Vereine, die haben Schwierigkeiten, überhaupt Trainer zu finden, von Spezialtrainern ganz zu schweigen«, so Kirschke, der sein Training bislang in Flensburg, Nordfriesland und dem Schleswiger Raum an mehreren Tagen die Woche anbietet.
»Die Standorte sind Leck, Niebüll, Friedrichsberg, Löwenstedt und Flensburg. Zudem war Handewitt angedacht, doch dann kam die Coronakrise«, so Kirschke, der zunächst die Vereine einfach angeschrieben hat bzw. sein Netzwerk für die Platzbeschaffung ausgenutzt hat. »Mittlerweile ist es so, dass sich auch Vereine bei mir melden«, freut sich der Torwart, der die Plätze in der Regel gestellt bekommt und als Gegenleistung auch zum Torwarttraining bei den Herren-Teams der Vereine bleibt. In Dänemark hatte er auch angefragt, doch dort wurden hohe Summen an Platzmiete aufgerufen.

Florian Kirschke steht seit vielen Jahren beim SC Weiche Flensburg 08 in der Regionalliga im Tor. Foto: Archiv

»Dann wäre alles zu teuer geworden und das wollte ich nicht«, so Kirschke, der am vergangenen Sonntag 28 Jahre alt geworden ist. 
Die Preisstruktur seines Torwarttrainings bewegt sich zwischen 40,- und 444,- Euro. Für 40 Euro gibt es den Kurs »Newcomer«. Der beinhaltet drei Einheiten á 60 Minuten (nur einmal pro Torhüter zu kaufen). Für 444,- Euro gibt es die Mannschaft-Vereinstrainingskarte (25 Einheiten á 60 Minuten und es kann wahllos jeder Keeper eines Vereins, wann und wo geschickt werden). Dazwischen gibt es die Kategorien »Die Nummer Eins«, »Der Stammkeeper« und »Die Mauer«.
Jeder Teilnehmer hat zudem die Möglichkeit eine Trainingskarte zu erwerben. Hier lassen sich die Kurs digital buchen und dies ist sinnvoll für diejenigen, die sich regelmässiges Training mit Kirschke wünschen.
Mia-Lotte Petersen, Niklas Petzold und Jannik Hannemann gehören zu diesen Kandidaten.
»Wenn Torwarttraining nicht anstrengend war, dann ist es kein richtiges Training. Es sollte ist immer eine gesunde Mischung aus Anstrengung und Spaß sein«, findet Petzold, mit 18 Jahren der älteste Keeper des Nachwuchs-Trios. »Der Spaßfaktor ist hier immer da, weil wir uns gegenseitig pushen und Florian einen vorwärts bringt durch seine motivierende und kritisierende Art. Man bleibt immer fokussiert und will besser werden um den nächsten Ball zu halten.« 
»Sie kommen öfter und sind sehr ehrgeizig. Alle drei bringen bereits viel mit, da sie im JFV Nordfriesland (Jannik und Niklas) sowie der SHFV-Auswahl (Mia) ebenfalls Torwarttraining bekommen«, erklärt Kirschke, der sein Angebot aber für jeden Torwart verstanden wissen will. »Ich habe einen Sieben-Jährigen dabei. Die Frage ist, ob es in dem Alter schon so viel bringt, aber er hat Lust. Ebenso hatte ich schon einen 28 Jahre alten Kreisklasse-Torwart, der noch nie Torwarttraining bekommen hat«, erklärt Kirschke für den Alter und Niveau ganz egal sind. Ihm ist wichtig, dass Keeper überhaupt ein spezielles Training erfahren.   

Er selber hatte das große Glück, immer einen Torwarttrainer an seiner Seite zu haben. Beim SC ist es seit vielen Jahren Jan Neujahr. 2013 kam Kirschke (damals noch zum ETSV Weiche), der in der Jugend für den Hamburger SV und den FC St. Pauli gespielt hat, in den ganz hohen Norden. Hier hat er die Erfolgsgeschichte des SC in der Regionalliga von Anfang an entscheidend geprägt. In jeder Saison war er unumstritten Stammtorwart des Viertligisten, hat das Double im Jahr 2018 mitgewonnen und im DFB-Pokal gespielt. Wenig verwunderlich, dass er vor wenigen Wochen seinen im Sommer auslaufenden Vertrag bis ins Jahr 2022 verlängert hat.

Live in Aktion haben die drei Nachwuchs-Torleute Kirschke noch nie gesehen. »Nur auf Youtube, als sie im DFB-Pokal gegen Bochum gewonnen haben«, berichtet Jannik Hannemann und auf die Frage, ob Kirschke seine Sache ordentlich macht, zögert er etwas und lässt sich dann doch ein, »joa, schon«, inklusive breitem Grinsen entlocken.
»Es macht Spaß und er bringt uns viel bei«.
Petzold freut sich vor allem darüber, dass Kirschke viel Wert auf das Mitspielen des Torhüters legt. »Alles was mit dem Fuß zu tun hat, macht einen modernen Torwart aus. Und in dem Bereich besser zu werden, den schwachen Fuß zu schulen, wie man unter Druck spielerisch agiert, da kann man viel von ihm lernen und mitnehmen.«
Für Kirschke ein enorm wichtiges Thema. »Im Team mitspielen ist unabdingbar. Ich selber war bis zur C-Jugend Feldspieler und denke, dass mir das heute bei meinem Torwartspiel zu Gute kommt. Ich weiß aber auch, dass es Mannschaften gibt da wird der Keeper im Training zunächst an den Spielfeldrand gesetzt und darf dann zum Abschluss-Spiel ins Tor und soll dann noch Bälle halten, wie soll das gehen.«
Damit es davon weniger Beispiele gibt und damit möglichst viele Torleute ein spezielles Training erfahren, hat Florian Kirschke sein eigens Torwarttrainings-Modell ins Leben gerufen. »Ich kann mir gut vorstellen, dass auch später zu machen, wenn ich nicht mehr selber spiele«, so der Mann, der in dieser Woche in Malente an der B-Lizenz arbeitet und sein Fokus-Programm für ein paar Tage ruhen lassen muss. »Trainer sein kann ich mir gut vorstellen, vor allem Torwarttrainer.«
Mittlerweile hat es aufgehört zu regnen, die drei Nachwuchs-Torleute packen erschöpft, aber zufrieden ihre Taschen. Florian Kirschke unterhält sich bereits mit einem weiteren Torwart, die nächste Einheit wartet bereits.

Alle Informationen zum »Fokus-Torwarttraining«, zu den Inhalten, Preisen, Standorten, Terminen und vieles mehr gibt es hier.


Ruwen Möller