13.08.2019

Der Traum von der Formel 1

Motorsport

Auf Titelkurs: Gianni Andrisani gehört zu den Kartsport-Talenten des Landes. Foto: Timo Deck

Harrislee. Normalerweise beginnt eine Motorsport-Geschichte so: Es riecht nach Motorenöl, verbranntem Gummi und Schweiß. Der Lärm der Motoren ist ohrenbetäubend. Ferrari und Mercedes-Flaggen auf den Tribünen und im Fahrerlager ein buntes Treiben aus Prominenten, Mechanikern und Piloten. Die sind in ihren Rennanzügen und unter ihren Helmen nur an den Startnummern zu erkennen. 


Doch wir sind nicht in der Formel 1 unterwegs und deshalb ist es nicht so. Zugegeben, auch beim Kartsport kann es laut und geruchstechnisch wie auf der großen Motorsport-Bühne zugehen, doch auch das ist diesmal nicht der Fall. Ganz im Gegenteil. Es duftet nach frischer Pizza und Pasta, gepaart mit einer Note frisch geriebenem Parmesan. Dazu ist es vergleichsweise ruhig. Hin und wieder klingelt ein Telefon, die Espresso-Maschine summt vor sich hin und ab und an ist das Klirren von Geschirr aus der Küche zu vernehmen. Wir sind mit Gianni Andrisani verabredet, aktuell einem der größten Kartsport-Talente in Deutschland. Wir treffen ihn nicht in einer Boxengasse auf einer Rennstrecke, nein, wir sitzen ihm im »Ristorante Isabella« Am Oxer in Harrislee gegenüber. Neben ihm sitzt sein Vater, Placido Andrisani, kurz Ido. Hier, obwohl beim Italiener, sind Monza, Ferrari und somit der ganz große Motorsport weit weg. Und irgendwie doch nicht. »Am liebsten in die Formel 1«, kommt es von Gianni Andrisani auf die Frage, wo er im Motorsport gerne hin möchte. Kein Wunder. Italien, Deutschland und die Formel 1, das passt und gehört einfach zusammen. »Mein Traum ist es, dass ich irgendwann vom Motorsport leben kann, Profi werde.« Andrisani fährt aktuell Kart und das dieses Jahr in drei verschiedenen Klassen. In der »ADAC Kart Academy«, der »Rotax Max Challenge Germany« und der »Euro Trophy«. Und der 13-Jährige fährt richtig schnell. In den beiden erstgenannten Klassen führt er, liegt auf Meisterschaftskurs. In der Euro Trophy war die Top acht das Ziel, aktuell liegt er knapp dahinter. Doch er ist teilweise deutlich jünger als seine Konkurrenten und »aktuell einer der Besten in Deutschland«, wie sein Vater sagt. 

Der Papa war es auch, der Gianni im Alter von sieben Jahren zum Kart-sport brachte. Ido Andrisani ist selber Meisterschaften gefahren, »ganz passabel«, aber »irgendwann wurde es zu viel«. In einer Saison sind beide gemeinsam an den Start gegangen. »Ich habe mich noch um Gianni gekümmert, als mein Rennen schon losging, das ging dann irgendwann nicht mehr«, sagt Ido Andrisani und muss lachen. Heute ist er nahezu bei jedem Rennen mit seinem Sohn unterwegs und unterstützt ihn, wo er nur kann. »Viele Rennen werden zwar auch im Livestream übertragen, aber das ist nichts für mich. Ich will lieber dabei sein«, sagt er. Papa Andrisani steht mal an der Strecke und gibt seinem Junior mit einer Tafel Zeiten und Abstände mit auf den Weg. Ein anderes Mal hilft er bei der Datenanalyse oder legt auch bei der Einstellung des Karts schon mal Hand an. Doch das ist selten, denn Andrisani gehört zum dänischen Team RS Competition und das stellt einen Betreuer und Mechaniker. »Ich bin vor allem dabei, um Gianni einzufangen, er ist schließlich immer noch ein Kind und Kinder sind sehr verspielt«, sagt Ido Andrisani. »Ohne meinen Vater könnte ich nicht fahren«, sagt Gianni Andrisani. Beide sind froh, dass sie ein Team hinter sich haben. »Es ist natürlich insgesamt etwas teurer, als wenn wir alleine unterwegs wären. Aber es hat auch unheimlich viele Vorteile, vor allem bei der Analyse von Daten«, erklärt Andrisani Senior. Genau wie in der Formel 1 spielen technische und taktische Elemente auch beim Kart bereits eine große Rolle. Meist geht es bei den über 100 km/h schnellen Gefährten um Hunderstelsekunden und da spielt jedes Detail eine Rolle. Insgesamt ist es ein zeit- und kostenintensiver Sport. So reisen die Andrisanis je nach Wettbewerb am Mittwoch oder Donnerstag an. Zu vielen Rennen geht es nach Süddeutschland, aber auch Italien, Belgien oder wie zuletzt Mitte Juli nach Schweden. Wenn ein Rennen nicht gerade in den Ferien liegt, bekommt Andrisani schulfrei. »Dafür sind wir sehr dankbar, denn das ist nicht selbstverständlich«, sagt sein Vater, der zu Saisonbeginn stets alle Termine mit der Schule abstimmt. Im Fall von Gianni Andrisani ist das die Gustav-Johannsen-Schule und somit ist er auch ein Teil der dänischen Minderheit. »Ich muss den Unterricht dann nachholen«, sagt er und hat kein Problem damit. Einen Dank richtet die Familie auch an das kleine, aber feine Sponsorennetzwerk, das sie sich mittlerweile aufgebaut hat. »Ohne sie würde es nicht gehen«, sagt Ido Andrisani, der auch eigenes Geld in den Sport seines Sohnes steckt. Der hatte vor einiger Zeit einen Dänen als Teamkameraden. Frederik Vesti tüftelte viel an dem Kart, das Andrisani heute fährt. Der Vater von Vesti setzte irgendwann alles auf eine Karte, verkaufte Haus und Hof, wohnte mit seinem Sprößling im Wohnwagen und tingelte so zwei Jahre durchs Land. Vesti lieferte auf der Rennstrecke ab und ein heimlicher Gönner förderte ihn fortan. Heute fährt der Däne souverän die Formel 3 an und gilt nach Kevin Magnussen als nächster Formel 1-Fahrer Dänemarks. »Das ist natürlich der Idealfall«, sagt Ido Andrisani. Soweit denken sie in der Familie aber noch lange nicht. Zum einen, weil Andrisani Senior nicht alles auf eine Karte setzen will und zum zweiten, weil »gute Ergebnisse im Kart keine Garantie für die Zukunft sind«. Andrisani sagt weiter: »Ich kenne Fahrer, die waren schnell, hatten aber kein Geld. Und andere, die waren langsam, hatten aber das nötige Geld und sind weit gekommen.«

Weltfinale in Aussicht

Wenn seinem Sohn das auch gelingen soll, müsste der nach Möglichkeit mit »16 oder 17 Jahren ins Auto« umsteigen. Dann würde eine Saison allerdings einen mittleren sechsstelligen Betrag kosten. »Wir versuchen im Hier und Jetzt das Beste rauszuholen. Was dann passiert, schauen wir«, so Ido Andrisani. Sein Sohn ist jedenfalls auf einem guten Weg. In der Rotax-Serie führt er bei noch einem ausstehenden Event. Holt er den Titel, qualifiziert er sich gleichzeitig für das Weltfinale im Oktober in Italien. Nach drei Dreifach-Siegen in der ADAC Kart Academy fehlt ihm hier sogar nur noch ein Punkt zur Meisterschaft. Diesen könnte er beim nächsten Rennen am (17./18. August) in Kerpen holen. Hier haben bereits Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher, sein Bruder Ralf sowie der viermalige Formel-1-Champion Sebastian Vettel ihre Karrieren begonnen. Überhaupt haben diese Stars einst im Kart angefangen. Deutschland, Italien und Motorsport gehören einfach zusammen. Gianni Andrisani vereint alles drei. Was würde da also besser passen, als irgendwann ein Cockpit bei Ferrari in der Formel 1. »Ich möchte einfach gewinnen«, sagt Gianni Andrisani - beste Voraussetzungen, um sich irgendwann seinen Traum zu erfüllen.

Ruwen Möller 

rm@fla.de 

RESUME:

De tyske motorsport-legender Michael Schumacher og Sebastian Vettel er gået den vej. De begyndte med at køre kart og endte med at vinde VM-titlen i Formel 1 - flere gange. Samme karriere drømmer Gianni Andrisani fra Harreslev om. Den 13-årige elev fra Gustav-Johannsen-Skolen er blandt Tysklands største kart-talenter. Han ligger til at vinde to mesterskaber i år, men der er stadig lang vej til Formel 1, og ingen garanti for, at det overhovedet lykkes.

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