22.08.2019

Dramatischer Dreikampf um den Titel

Handball

Der SG-Spieler Hampus Wanne springt vor Steffen Weinhold von Kiel in den Kreis. Nach vier Jahren ohne Meistertitel will Rekordmeister THW Kiel in der Saison 2019/20 endlich wieder auf den Handball-Thron zurückkehren. Titelverteidiger SG Flensburg-Handewitt ist aber heiß auf den Meister-Hattrick. Foto: dpa

Flensburg/Kiel. Schafft die SG Flensburg-Handewitt den Titel-Hattrick, erobert der THW Kiel erstmals seit 2015 wieder den Meister-Thron oder sind am Ende die Rhein-Neckar Löwen der lachende Dritte? Der Kampf um die deutsche Handball-Meisterschaft verspricht in der Olympia-Saison so viel Spannung und Dramatik wie schon lange nicht mehr. Zumal hinter dem Top-Trio mit dem SC Magdeburg, der MT Melsungen und den Füchsen Berlin drei Herausforderer lauern.

»Die Spitze ist noch ausgeglichener und die Kronprinzen sind stärker geworden«, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann vor dem Auftakt der 54. Bundesliga-Saison am Donnerstag. »Ich glaube, wir haben viel mehr potenzielle deutsche Meister als jemals zuvor.«


Am höchsten im Kurs steht bei den Experten der THW. In einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) nannten elf von 15 Trainern - drei Coaches gaben keinen Tipp ab - den Rekord-Champion als Top-Favoriten auf den Titel. »Kiel wird Meister. Die anderen Kandidaten kämpfen nur um Platz zwei«, prophezeite Füchse-Coach Velimir Petkovic. 

Auch Flensburgs Meistertrainer Maik Machulla sieht den THW als Maß der Dinge. »Die sind eingespielt. Das ist die beste Mannschaft, die es zu schlagen gilt.« Kampflos will der Titelverteidiger, der die Abgänge von Abwehrchef Tobias Karlsson (Karriereende) und Regisseur Rasmus Lauge (KS Kielce) verkraften muss, seinen Platz aber nicht räumen. Machulla: »Wir wollen so lange wie möglich oben mitspielen.«

In Kiel sehnen sich Spieler und Fans nach dem 21. Meistertitel, auf den der Verein seit vier Jahren vergeblich wartet. Nach dem Ende der Ära von Erfolgstrainer Alfred Gislason ist der Druck auf dessen Nachfolger Filip Jicha groß. Deshalb schiebt der frühere Profi die Favoritenrolle erst mal dem Nachbarn zu: »Ich sehe in der Mannschaft einen großen Hunger nach Erfolg. Aber Flensburg hat zweimal in Folge die Meisterschaft gewonnen und ist daher auch in dieser Saison der Favorit. Es wäre falsch, auf eine andere Mannschaft zu tippen.« 


Kiel und Flensburg sind auch in der Champions League gemeinsam gefordert, die seit drei Jahren anhaltende Abstinenz der Bundesliga-Clubs beim Finalturnier in Köln zu beenden.

Zur ersten Top-Partie in der Liga kommt es schon am 2. Spieltag, wenn Flensburg die Rhein-Neckar Löwen empfängt. Der Meister von 2016 und 2017 will mit Rückkehrer Uwe Gensheimer wieder ganz oben angreifen. »Ich glaube, dass wir als Mannschaft qualitativ so aufgestellt sind, dass wir um alle Titel mitspielen können«, sagte der von Paris Saint-Germain nach Mannheim zurückgekehrte Weltklasse-Linksaußen.


Für Neu-Coach Kristjan Andresson, der das schwere Erbe von Dänemarks Weltmeister-Trainer Nikolaj Jacobsen angetreten hat, ist aber der THW Kiel der große Favorit. Ungeachtet dessen formulierte Löwen-Regisseur Andy Schmid das forsche Saisonziel: »Ich will Meister werden, meine Kollegen wollen Meister werden, der ganze Verein will Meister werden.« 

Diesen Anspruch haben die Verfolger aus Magdeburg, Melsungen und Berlin - zumindest öffentlich - noch nicht. Sollte sich die Chance bieten, würden sie aber nur zu gerne in die Phalanx der großen Drei einbrechen. Für Mindens Trainer Frank Carstens ist der SCM nach Rang drei im Vorjahr bereits jetzt titelreif - er tippte als Einziger auf die Mannschaft von Trainer Bennet Wiegert als Champion.

Fakten sum Saisonstart

Frankfurt/Main. Donnerstag startet die Handball-Bundesliga in ihre 54. Spielzeit. Die wichtigsten Daten und Fakten zur Saison.


Titelfavoriten
Nach vier Jahren ohne Meistertitel will Rekordmeister THW Kiel endlich wieder auf den Handball-Thron zurückkehren. Der 20-malige Champion gilt trotz des Abgangs von Erfolgstrainer Alfred Gislason als Topfavorit. Titelverteidiger SG Flensburg-Handewitt ist aber heiß auf den Meister-Hattrick und wird den Platz an der Sonne nicht kampflos räumen. Auch die Rhein-Neckar Löwen, 2016 und 2017 jeweils Meister, wollen mit Rückkehrer Uwe Gensheimer wieder ganz oben mitmischen.

Aufsteiger
Der HBW Balingen-Weilstetten um Nationalspieler Martin Strobel geht nach zwei Jahren in der Zweitklassigkeit in seine zwölfte Bundesliga-Spielzeit. Die HSG Nordhorn-Lingen ist erstmals seit elf Jahren wieder - und zum insgesamt neunten Mal - im Oberhaus dabei. 

Spielplan und TV
Gespielt wird wie in der Vorsaison in der Regel donnerstags (19.00 Uhr) und sonntags (13.30/16.00 Uhr). Einige wenige Partien werden am Dienstag, Mittwoch oder Samstag ausgetragen. Alle 306 Spiele sind live beim Bezahlsender Sky zu sehen, der an den Hauptspieltagen wie gewohnt auch eine Konferenz anbietet. Die ARD zeigt insgesamt zwölf Spiele - darunter ein Halbfinale und das Endspiel bei der Pokal-Endrunde Anfang April in Hamburg. 

Europacup
Flensburg und Kiel vertreten die Bundesliga in der Champions League und wollen die Durststrecke der deutschen Clubs, die seit drei Jahren nicht mehr bei der Finalrunde in Köln vertreten waren, beenden. Im EHF-Pokal - wo es in den vergangenen 15 Jahren 14 deutsche Siege gab - spielen der SC Magdeburg, die Rhein-Neckar Löwen, die MT Melsungen und die Füchse Berlin.

Nationalmannschaft
Während der EM im Januar 2020, die erstmals mit 24 statt bisher 16 Mannschaften ausgetragen wird, ruht der Liga-Betrieb traditionell. Eine weitere Spielpause gibt es Mitte April kommenden Jahres, wenn die DHB-Auswahl voraussichtlich um das Olympia-Ticket kämpft. Wegen der Sommerspiele vom 24. Juli bis 9. August in Tokio endet die Bundesligasaison bereits am 14. Mai 2020. Zwei Tage später steigt zum Abschluss das All-Star-Game zwischen der Nationalmannschaft und einer internationalen Bundesliga-Auswahl, das sonst immer im Winter stattfindet.

dpa