22.01.2018

Holstein-Coach: Demut statt Aufstiegsgerede

Holstein Kiel/2. Liga

Es geht in der Liga weiter für den KSV Holstein Kiel und seinen Erfolgstrainer Markus Anfang. Der konzentriert sich trotz der außergewöhnlich guten Ausgangslage weiter auf das Wesentliche. (Foto: Carsten Rehder, dpa)

Markus Anfang hat Aufsteiger Holstein Kiel zu einem Spitzenteam der 2. Bundesliga geformt. Trotz einer aussichtsreichen Position steht für den Trainer vor dem Start nach der Winterpause nicht der Aufstieg im Vordergrund.


Kiel. In die Rubrik »Zitat des Tages« wird Markus Anfang eher selten auftauchen. Markige Sprüche sind nicht die Sache des Trainers von Zweitliga-Aufsteiger Holstein Kiel. Wenn er über Fußball spricht, benutzt er lieber Worte wie Respekt, Demut oder Kollektiv. Der 43-Jährige will sich nicht nach vorn drängen. Doch nach der überragenden Hinrunde schauen immer mehr Leute auf den Coach der derzeit wohl größten Überraschung im deutschen Profifußball.
Vor dem Neustart nach der Winterpause am Dienstag (20.30 Uhr/Sky) gegen Union Berlin hebt der einstige Bundesligaprofi trotz der etlichen starken Auftritte in Teil eins der Saison nicht ab. »Unser Gedanke war vor der Saison, einfach nur guten Fußball zu spielen und sich zu freuen, dass wir nach 36 Jahren wieder in der 2. Liga spielen«, sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Mit »Überzeugung und Mut«, aber auch dem »nötigen Respekt und der Demut« auftreten, »dass es auch schwierig wird in der Liga«, betonte er. »An dieser Zielsetzung hat sich auch in der Rückrunde nichts geändert.«

Vielversprechende Ausgangslage

Dabei ist die Ausgangslage für einen Durchmarsch in die Beletage vielversprechend. Holstein startet als Tabellenzweiter in die Restsaison. Die Norddeutschen liegen vor dem 19. Spieltag nur einen Punkt hinter Fortuna Düsseldorf und haben fünf Zähler Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz - und das, obwohl das mit 37 Treffern offensivstärkste Team der Liga seit fünf Spielen mit vier Unentschieden und einer Niederlage auf einen Erfolg wartet.
Ergebnisse könne man nicht planen, sagte Anfang: »Deshalb kann es auch sein, dass wir in der Rückrunde genauso guten Fußball wie in der Hinrunde spielen, aber vielleicht nicht so häufig belohnt werden. Das ist aber auch nicht so dramatisch, so lange wir guten Fußball spielen.«
Der gebürtige Kölner passt an die Küste. Ihm ist mit seiner Art Erstaunliches gelungen, auch wenn er stets betont, dies nicht allein geschafft zu haben. Ende August 2016 lotste ihn der damalige Drittligist nach einem mäßigen Saisonstart aus der Nachwuchsabteilung von Bayer Leverkusen an die Förde: der Kieler Höhenflug vom mittelmäßigen Drittliga- zum Zweitliga-Spitzenteam begann.
Der ehemalige Bundesligaprofi setzt auf das Kollektiv. »Damit die Mannschaft funktioniert, wird jeder sein Ego herunterschrauben und sich in den Dienst der Mannschaft stellen müssen. Dann werden wir auch die Möglichkeit haben, guten Fußball zu spielen«, erklärte er. Seine Spieler haben das verinnerlicht. »Das spricht für das System des Trainers. Selbst wenn es einmal Rückschläge gab, hat uns das nicht aus der Bahn geworfen«, sagte Mittelfeld-Lenker Dominick Drexler dem Portal liga-zwei.de.

Sportchef Becker: außergewöhnlich guter Trainer

Mit den Erfolgen in Kiel hat Anfang aber auch das Interesse anderer Clubs an seiner eigenen Person geweckt. Als sich im Dezember der 1. FC Köln von Peter Stöger getrennt hatte, wurde er als möglicher Nachfolger genannt. Auch mit Hoffenheim wird er in Verbindung gebracht für den Fall, dass sich Julian Nagelsmann verabschiedet.
Kiels Sportchef Ralf Becker traut seinem Trainer Größeres zu. »Ich bin mir ganz sicher, dass Markus irgendwann in der Bundesliga landen und dort Karriere machen wird, weil er ein außergewöhnlich guter Trainer ist«, sagte Becker der »Sport Bild«. Doch er glaubt auch, »dass Markus weiß, was er an Holstein Kiel hat«.
Noch hat Becker seinen Trainer bis 2019 an den Verein gebunden. Die Sache hat aber einen Haken: Der Kontrakt gilt nur für die 2. Liga. Bei einem Aufstieg stünde Anfang ohne Vertrag da.
Von Claas Hennig, dpa

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