07.08.2019

Handball auf Zeit

Handball

Trainer Maik Machulla (l.) und die SG Flensburg-Handewitt waren gern gesehene Gäste bei Lars Schnittgard und dem TSV Westerland. Fotos: Tim Riediger

Westerland. Es war kaum noch ein freier Platz in der Halle im Schulzentrum zu bekommen, als der Deutsche Handballmeister von der SG Flensburg-Handewitt in Westerland auf Sylt zu Gast war, um gegen den ortsansässigen TSV in der Vorbereitung auf die Saison 19/20 die Klingen zu kreuzen. 


Eine volle Tribüne war aber kein Neuland für die Insel-Handballer, die auch in der vergangenen Saison zu ihren Heimspielen in der Landesliga Nord vor gut gefüllten Rängen ihrem Hobby nachgegangen sind. Immerhin schaffte es der Insel-TSV auf Platz fünf in der Endabrechnung der vergangenen Spielzeit.

Schwere Bedingungen

Sport im Ligabetrieb auf einer Insel zu betreiben ist dabei kein Zuckerschlecken. Der Kampf durch die geografische Lage mit den Rahmenbedingungen erfordert schon gehörigen Enthusiasmus. Enthusiasmus, den gerade Lars Schnittgard, Trainer des TSV Westerland gemeinsam mit Olaf Rogge, an den Tag gelegt hat und damit einen enormen Aufschwung des Handballs in die Wege geleitet hat. »Ich habe in der Kreisliga das Projekt Männer-Handball auf Sylt mit angeschoben und nach den ersten Erfolgen und auch namhaften Zugängen, wollten wir nochmal richtig Feuer geben. Wir mussten aber von zu Saison zu Saison merken, dass wir auf Sylt keinen langfristigen Plan aufstellen können. Wir können nur diese und ein klein wenig in die nächste Spielzeit schauen. Wir würden gerne mehr, können aber leider nicht. Das Drumherum für mehr hätten wir aber sicherlich«, schätzt Lars Schnittgard die Situation ein. Derzeit stammt das Gros der Spieler des Westerländer Aushängeschildes zwar von der Insel, doch die Nachwuchs Gewinnung gestaltet sich äußerst schwer, wie Schnittgard verrät. »Mehr als das Gros besteht aus Syltern, der Rest kommt dann mal von außerhalb. Wir hatten im Vorjahr drei Spieler vom Festland, die gerne geblieben wären. Aber alleine durch die Bahnprobleme hatten sie lange nicht die Möglichkeit zum Training zu kommen. So ist es dann nach einer Saison dann auch wieder vorbei. Das ist auf Dauer sehr schwer für uns«, so der TSV-Trainer. Olaf Rogge nimmt auch kein Blatt vor den Mund und schätzt die Situation realistisch ein. »Wir haben jetzt Glück, dass wir aus den Jahrgängen 97 und 98 immer ein oder zwei mit nach oben bekommen haben. Jetzt wartet aber ein großer Bruch in der Jugend, wo über die nächsten fünf Jahre nichts nachkommt. Das werden wir hier so nicht auffangen können. Hier von Nachhaltigkeit zu sprechen ist vermessen. Wir bekommen es aber nicht anders hin und müssen die Zeit, die wir haben, einfach genießen und bestmöglich nutzen. Das tun wir«, so Rogge, der gut mit dem Hier Und Jetzt klar kommt. Solche außergewöhnlichen Spiele, wie im vergangenen Jahr gegen den THW Kiel und in diesem Jahr gegen die SG Flensburg-Handewitt, sehen die beiden Trainer demnach auch als Dank an die Fans, die den TSV auch durch die gesamte Saison begleiten. Die Anhänger des TSV dankten es nach dem Spiel gegen den Deutschen Meister in jedem Fall mit stehenden Ovationen und werden sicher auch wiederkommen, wenn der Gegner wieder HSG Kremperheide-Münsterdorf oder TSV Büsum heißen. Eines ist am Ende aber klar, Handball auf Sylt bleibt immer ein Kampf mit den Gegebenheiten. Den Kopf in den Sand stecken, werden sie in Westerland aber nicht, und auch in der anstehenden Saison wieder alles versuchen, um Westerland auf der Handballkarte zu halten.


Timo Fleth 
tif@fla.de 

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