Bouldern

Hoch hinaus auf dem flachen Land

Bouldern

Ruwen Möller
05. Dezember 2019, 17:10 Uhr

David Heucke ist selber begeisterter Boulderer und Geschäftsführer des FlensBloc. Foto: Martin Ziemer

Im kommenden Sommer ist Sportklettern erstmals im Programm der Olympischen Spiele. Bouldern ist eine der drei Disziplinen und auch in Flensburg ist das Klettern ohne Absicherung in Absprunghöhe inzwischen möglich.


Flensburg. Zugegeben, die Anstiege Toosbüystraße und Am Lautrupsbach haben es in sich. Ansonsten ist Flensburg aber eher in die Kategorie flaches Land einzuordnen - so wie der Rest des hohen Nordens an der deutsch-dänischen Grenzen. Wassersport gibt es hier in allen Ausführungen, aber Klettern, damit verbinden die meisten eher südlichere Gefilde, beispielsweise rund um die Alpen. 
Doch auch in Flensburg lassen sich mittlerweile ein paar Höhen erklimmen. Anfang April eröffnete der »FlensBloc« in der Fördestadt, Deutschlands nördlichste Boulderhalle. »Jede Stadt braucht eine Boulderhalle« findet David Heucke. Der Geschäftsführer des »FlensBloc« wurde einst von seinem Bruder in Braunschweig in eine der damals noch wenigen Boudlerhallen mitgenommen und »angefixt«. »Es hat tierisch Spaß gemacht, ich bin dabeigeblieben, habe viel trainiert und mit meinen Freunden an Wettkämpfen teilgenommen. Es ist eine große Leidenschaft geworden und so ist auch diese Halle entstanden«, sagt Heucke. 

In der Westerallee 159, unweit unseres Redaktionshauses, können auf 1500 qm Grundfläche, 650 qm Wandfläche 120 Routen verschiedenster Schwierigkeiten (von gelb - sehr leicht bis schwarz - extrem schwer bis unmöglich) gebouldert werden. Im Laufe des Sommers wurde auch ein Außenbereich eröffnet. Doch was ist Bouldern eigentlich? »Es ist Klettern in Absprunghöhe ohne Sicherung«, erklärt es Heucke in einem Satz. Im Gegensatz zum Seilklettern, wird also ohne Helm, Seil oder sonstige Sicherung geklettert. Allerdings sind die Kletterwände auch auf eine maximale Höhe von 4,50 Metern begrenzt, genormt. Von dort kann abgesprungen werden und am Boden befinden sich weiche Fallmatten. »Bouldern ist etwas für jedermann, für Jung und Alt, Groß und Klein«, sagt Heucke. »Es ist eine tolle, weil sehr soziale Sportart. Man benötigt zwar keinen Partner, weil man nicht abgesichert werden muss, aber man trifft immer andere Leute an der Wand. Zudem benötigt man keine alpine Vorerfahrung. Jeder kann herkommen und sein Erfolgserlebnis feiern. Aber es gibt auch schwere Routen für Leute die anspruchsvoll Bouldern wollen.«


Vorfreude auf Tokio

Im »FlensBloc« gibt es diverse Angebote. Vom Kindergeburtstag bis zum Team-Event. In der Regel ist ab 14 Uhr, Mittwochs und am Wochenende von 10 bis 22 Uhr geöffnet. »Unser Anspruch ist es, an 365 Tagen im Jahr geöffnet zu haben«, so Heucke, der sagt: »Durch Bouldern wird man fit und mental stark.« Neben dem reinen Klettern gibt es weitere Angebote wie Yoga und eine Sauna unter dem Dach des »FlensBloc«. Zudem ist ein spezieller Trainingsbereich in Planung. Die Routen werden ständig verändert, sodass für Hencke und sein Team immer viel Arbeit, für die Besucher aber jede Menge Abwechslung auf dem Programm steht. Mit seinem Angebot liegt der »FlensBloc« voll im Trend was einen sportlichen und gesunden Lifestyle angeht. Und die Sportart an sich erlebt auch aktuell einen großen Aufschwung. Im kommenden Sommer ist Sportklettern erstmals bei den Olympischen Sommerspielen im Programm. Bouldern ist dann neben Speed- und Schwierigkeitsklettern (Lead) ein Teil beim Wettbewerb »Olympic combined« in Tokio 2020. Mit Alexander Megos und Jan Hojer sind zwei deutsche Männer qualifiziert (siehe Artikel unten). Landsfrauen haben sich nicht qualifiziert und aus Dänemark sind auch keine Athleten dabei. »Insgesamt freut es die Szene, dass Bouldern an Aufmerksamkeit gewinnt«, so Heucke. Er selber freut sich auf das Event in Tokio und darüber, dass der »FlensBloc« oft und gerne erklommen wird.

Weitere Informationen: www.flensbloc.de

Ruwen Möller 

Mit zwei Athleten zur olympischen Premiere in Tokio

Toulouse. Der deutsche Sportkletterer Jan Hojer hat vor wenigen Tagen den Qualifikations-Wettkampf für Olympia auf dem fünften Platz beendet. Der Kölner, der sich bereits in der Vorrunde sein Ticket zu den Sommerspielen 2020 gesichert hatte, zeigte in Toulouse eine solide Leistung und ließ im Finale der besten Acht drei Athleten hinter sich. Der 27-Jährige wird Deutschland bei der Olympia-Premiere der Sportart in Tokio neben Alexander Megos aus Erlangen vertreten. Jede Nation kann nur zwei Starter stellen - damit holten die Alpenvereins-Männer das Maximum heraus. Megos hatte sich seinen Traum von Olympia bereits vor einigen Wochen erfüllt, als der Erlanger bei den Weltmeisterschaften in Japan als bester Athlet in das Finale des Kombinationswettbewerbs eingezogen und sich damit ein Ticket für Tokio 2020 gesichert hatte. In der Qualifikation hatte er in Hachioji die stärkste Leistung im Lead, dem klassischen Seilklettern, erreicht. Überraschend brachte er es auch beim Bouldern, dem Klettern ohne Sicherung in Absprunghöhe, an die Spitze der Athleten. In der dritten Kombinationsdisziplin, dem Speedklettern, belegte Megos Platz 17. »Das ist wirklich krass, wirklich abgefahren. Ganz ehrlich: Mit diesem Ergebnis hätte ich selbst am allerwenigsten gerechnet, insbesondere beim Bouldern heute früh«, sagte Megos direkt nach dem Wettkampf dem Deutschen Alpenverein (DAV). Im Finale verletzte sich der 26-Jährige während der Boulder-Disziplin am Finger und musste so seinen Medaillentraum begraben. »Die Gefahr wäre zu groß gewesen, dass die Verletzung noch schlimmer wird«, sagte Trainer Urs Stöcker nach dem Rückschlag für seinen Schützling. Megos verließ damals die Wettkampfbühne vorzeitig. »Dass das Finale im Olympic-Combined für Alex so unglücklich enden musste, ist natürlich mehr als ärgerlich«, sagte Sportdirektor Martin Veith. Der DAV, für den Megos im Rennen war, nannte das Ausscheiden des Erlangers eine »bittere Enttäuschung«. Stöcker sagte, sie seien mit der klaren Mission in den Tag gegangen, eine weitere Medaille für Deutschland zu holen. »Dass wir mittendrin kampflos aufgeben mussten, das ist natürlich sehr bitter.« Megos hatte zuvor die Silbermedaille im Einzelwettkampf Leadklettern gewonnen. Teamkollege Yannick Flohé im Bouldern Bronze. Flohé und Hojer hatten es in der Kombination nicht ins WM-Finale geschafft und mit Rang 11 und 17 ein Ticket für Olympia verpasst. Hojer hat das jetzt nachgeholt. »Er hat wieder mal den Jan ausgepackt, der in entscheidenden Momenten liefern kann«, lobte Stöcker. »Das war sehr beeindruckend.« Zumal Hojer unter Druck stand - bei der WM war er leicht verletzt nicht auf den vorderen Plätzen gelandet. »Normalerweise ist es meine Stärke, mit Druck umzugehen. Aber vor Toulouse habe ich gemerkt, dass das eine andere Nummer ist. Ich war sehr aufgeregt«, sagte er.


Olympic Combined

Geklettert werden in dem extra für die Sommerspiele kreierten Wettkampf-Format »Olympic Combined« die Disziplinen Lead, also Schwierigkeitsklettern mit Seilsicherung, Bouldern, dem Meistern von komplizierten Grifffolgen in Absprunghöhe, und Speedklettern. 

dpa

RESUME

I bouldering klatrer man på vægge i op til 4,5 meters højde med tykke madrasser nedenunder. Der er ikke brug for reb, sele eller andet udstyr – alt du skal gøre for at komme i gang er blot at leje et par klatresko. Flensborg Avis har prøvet det i FlensBloc - Tysklands nordligste boulderhal. Og vi kigger på tyskernes kvalifikation til de Olympiske Lege 2020 i Tokyo, hvor bouldering får premiere indenfor »Olympic combined«.