14.11.2017

Mit Auge

Handball

Simon Jeppsson (am Ball) war gegen Berlin der überragende Mann. (Foto: Ingrid Anderson-Jensen)

Der Schwede Simon Jeppsson verzückt mit spektakulären Anspielen. Mittlerweile scheint er angekommen bei der SG Flensburg-Handewitt.


Berlin/Flensburg. Am vergangenen Donnerstag ist Simon Jeppsson endgültig in der Bundesliga angekommen. Mit sieben Toren und etlichen sehenswerten Vorlagen führte er die SG Flensburg-Handewitt zum 30:26 (14:13)-Sieg im Spitzenspiel bei Tabellenführer Füchse Berlin. Thomas Mogensen, einer der alten Haudegen bei der SG, herzte den Schweden deshalb unmittelbar nach Spielende ganz besonders und Maik Machulla war hinterher voll des Lobes. 
»Mit Simon wollte ich jemanden bringen, der für mehr Gefahr aus dem Rückraum sorgt. Es hat gut funktioniert. Er hat viele gute Entscheidungen getroffen und wichtige Tore gemacht. Ich bin sehr froh, dass er als junger Spieler in einem Spitzenspiel in Berlin viel Verantwortung übernommen hat. Das bedeutet viel für uns als Mannschaft und noch mehr für ihn und seine Entwicklung«, so der SG-Trainer. 

Jeppsson selber blieb bescheiden und sagte hinterher: »Ich habe das Vertrauen bekommen und es war schön, zu zwei Punkten und einem Sieg beizutragen.« Der junge Schwede (22 Jahre) war im Sommer als Torschützenkönig aus seiner heimischen Liga nach Flensburg gewechselt. Im ersten Saisonviertel kam er meist nur für einige Minuten im Angriff ins Spiel. Dabei ließ er zwar sein großes Potenzial hin und wieder aufblitzen, aber er machte auch viele Fehler, agierte zögerlich und konnte sich selber sowie die Beobachter nicht vollends zufriedenstellen. Beim Spiel in der Hauptstadt war es anders. »Er kam rein und hat gleich getroffen, das war wichtig«, so Machulla, der dem linken Rückraumspieler in den Wochen zuvor bereits mehr Spielanteile gegeben und ihn stets gelobt hatte. Doch der gute Start gegen die Füchse ist nur ein kleiner Teil des Erfolgsgeheimnisses. »Wir haben über sein Timing gesprochen. Simon stand anfangs immer lange in der Luft und hat zu lange überlegt. Er kannte das so aus der schwedischen Liga. Dort konnte er hochsteigen und sich dann überlegen was er macht, in der Bundesliga geht das nicht«, erklärt Machulla. »Ich habe ihm gesagt, dass er sich schneller entscheiden muss oder die anderen Spieler etwas später in ihren Abläufen agieren müssen.« Beides klappt seitdem viel besser. Zudem steigt Jeppssons Selbstvertrauen mit jeder gelungenen Aktion. »Simon hat ein unglaublich gutes Auge«, so Machulla. Der lange Schwede fällt nicht nur auf Grund seiner rotblonden Haare auf in der Liga. Wie kein anderer Spieler kann er im letzten Moment einen Wurf abfeuern oder seine Nebenleute einsetzen. Dies tut er oft spektakulär und auf unkonventionelle Art und Wiese. Statt den Mitspieler unmittelbar neben sich zu suchen, überspielt Jeppsson oft etliche Mit- und Gegenspieler, findet die Außen mit Bogenlampen und Bodenpässen oder den Kreisläufer mit unvorhersehbaren Assists.

Luft nach oben

Als seine Spezialität würde er diese Zuspiele »nicht bezeichnen«. Er sagt bescheiden: »Ich mag es, meine Mitspieler einzusetzen und versuche einfach die freien Leute zu finden«. Ein guter Spielmacher wäre er deshalb »aber nicht« automatisch. Jeppsson meint: »Da gehört mehr dazu, ein Spielmacher muss das ganze Spiel aufziehen, aber ich arbeite an mir. In erster Linie geht es darum, dass ich mich in der Abwehr verbessere, ich möchte schließlich ein kompletter Spieler werden, der auch in der Abwehr stehen kann. Außerdem möchte ich mein Spiel insgesamt stabilisieren. Ich habe einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben und bin in meiner ersten Saison. Ich nehme kleine Schritte.« Es ist also noch Luft nach oben. Die SG kann sich freuen, die Konkurrenz muss sich fürchten. Am Donnerstag (19 Uhr/live Sky) erwarten Jeppsson und die SG den TV Hüttenberg.


Ruwen Möller

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