11.09.2019

Neue Ära für den THW Kiel

Handball

THW Kiel

Die große Vorschau des THW Kiel aus unserem Handball-Magazin.

Nach elf Jahren unter Alfreð Gíslason übernimmt nun Filip Jicha das Ruder des Rekordmeisters. Die Favoritenrolle in der Bundesliga vergibt er dabei an Flensburg.

Als »neue Ära« hat THW Kiel-Geschäftsführer Viktor Szilágyi die kommende Saison betitelt. Der Begriff ist nicht allzu weit hergeholt, immerhin ist nach elf Jahren unter der Regie von Alfreð Gíslason nun mit Filip Jicha ein neuer Mann auf dem Chef-Trainerposten des Rekordmeisters. Trotz dieses Umbruchs an der Spitze, seien die Saisonziele des Rekordmeisters unverändert. Der THW startet diese Saison in fünf Wettbewerbe, darunter der Supercup (siehe Seite 24) gegen Flensburg und der IHF Super Globe in Saudi-Arabien, in allen wollen sie um Titel mitspielen. Ziel sei es sowohl in der Champions League als auch im Pokal mindestens im Final Four dabei zu sein. Szilágyi, vorher sportlicher Leiter, jetzt Geschäftsführer des Vereins, zeigt sich allerdings realistisch.


»In den letzten Jahren haben es in der Champions League immer wieder Außenseiter geschafft, den Titel zu holen, mit denen man vor der Saison vielleicht nicht unbedingt gerechnet hat. Sicherlich gehören vor allem die Clubs zu den Favoriten, die sich voll und ganz auf die Champions League konzentrieren können, nicht so eine starke Liga haben und nicht so gefordert werden«, sagt Szilágyi. Er ist allerdings davon überzeugt, dass der THW-Kader stark genug sei, sich in allen Wettbewerben gut zu schlagen.

Die Zeit nach Gíslason

Die Augen sind natürlich besonders auf Filip Jicha gerichtet, der den dreimaligen Trainer des Jahres Gíslason beerbt.

 
»Alfred hat riesengroße Spuren hinterlassen. Ich habe gar nicht vor, in seinen Spuren zu folgen, das wäre aus Respekt heraus nicht machbar. Ich versuche mit der Mannschaft meinen eigenen Weg zu gehen und einen eigenen Rhythmus zu finden, wie wir die Saison mit allen Höhen und Tiefen gemeinsam meistern werden«, erklärt er. Jicha zeigt sich bescheiden: »Wir wollen eine gute Abwehr spielen, wir wollen gute Gegenstöße machen, gute Angriffe spielen und eine gute Torwartleistung haben. Das sind nur einige Ziele, die ich habe«, sagt der Tscheche. Was die Titel angeht, wird er allerdings doch etwas kleinlauter. »Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Wir sind die letzten vier Jahre nicht Meister geworden. Wir müssen als Mannschaft wieder lernen, Möglichkeiten zu drehen. Das ist Fleißarbeit«, so der THW-Coach.

Wenn er einen Titelfavoriten nennen sollte, dann die Derby-Konkurrenz aus dem Norden.

»Man muss alleine aus Respekt sagen, dass die Flensburger jetzt zweimal nacheinander die Meisterschaft geholt haben und es wäre einfach falsch, jemand anderen als Flensburg zu nennen. Die sind sicherlich ganz vorne dabei. Wir werden unsere Hausaufgaben machen müssen«, so Jicha.

Mit Pavel Horak und Torhüter Dario Quenstedt laufen in diesem Jahr zwei Neuzugänge in schwarz und weiß auf.
Quenstedt, DHB-Nationalspieler, ist Nachfolger von Nationalkeeper-Kollege Andres Wolff (nach Kielce) und damit der neue Partner des dänischen Nationaltorhüters Niklas Landin. Zumindest eine Konstante hat dieser allerdings: »Mein Trainer ist immer noch der selbe, wie im letzten Jahr. Aus meiner Sicht bin ich unglaublich zufrieden mit der Zusammenarbeit mit Mattias Andersson und hoffe natürlich, dass Dario genauso zufrieden sein wird«, sagt Landin über den ehemaligen SG-Torwart.

Nach mehreren Jahren in Magdeburg, hat sich Quenstedt schnell an der Kieler Förde eingelebt.

»Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Ich glaube, Niklas und ich ergänzen uns sehr gut und bilden ein harmonisches und hoffentlich erfolgreiches Duo im Tor«, so Dario Quenstedt.


Sein Kollege Pavel Horak zeigt sich etwas wortkarger. Auf die Frage, wie sehr er der Mannschaft mit seiner Erfahrung helfen kann, antwortete der Tscheche: »Ich sehe mich eher wie einen Handball-Soldaten. Ich bekomme meine Anweisungen und Befehle und versuche diese zu erfüllen.«

Nicht nur auf die beiden Neuzugänge kommt allerdings eine harte Saison zu. Olympia und Europameisterschaft sowie fünf Vereinswettbewerbe stellen eine hohe Belastung für das Team dar. »Das Jahr müsste im Handball deutlich mehr als 365 Tage haben, um alle Termine unterzubringen«, beklagt Sabine Holdorf-Schust, die zum THW zurückgekehrt ist und sich die Geschäftsführung des THW für ein Jahr mit Szilágyi teilt. Sie ist sich sicher, dass der festgelegte Rhythmus von mindestens 48 Stunden zwischen zwei Spielen in dieser Saison nicht eingehalten werden kann. Sie freut sich allerdings, dass beim Ticketverkauf aus Dänemark ein leichtes Plus zu verzeichnen ist. 

»Der THW hat natürlich traditionell ein gutes Netzwerk nach Skandinavien. Sehr viele Geschäftspartner und Kunden haben gleichermaßen Verbindungen nach Dänemark. In der Bundesliga sind natürlich nicht viele Karten übrig, aber im internationalen Wettbewerb haben wir immer ganze Gruppen aus Dänemark und dem Rest von Skandinavien, die zu uns kommen. Wenn wir gegen eine dänische Mannschaft spielen, kommen manchmal 500 bis 600 dänische Handball-Fans zu uns«, erzählt Holdorf-Schust.

Lennart Adam

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