Eilts: »Es herrscht Aufbruchstimmung«

Der Vorsitzende Frerich Eilts sieht seinen TSB Flensburg sehr gut aufgestellt.

Thomas Bleicher
26. März 2015, 11:03 Uhr

In seiner Zeit als Vorsitzender hat Frerich Eilts sowohl Höhen als auch Tiefen beim TSB erlebt. (Foto: Sebastian Iwersen)

Flensburg. Seit 1989 hält Frerich Eilts als Vorsitzender beim TSB Flensburg die Zügel fest in der Hand. Mit über 4800 Mitgliedern einem der größten Vereine in Schleswig-Holstein. Im Interview mit Flensborg Avis spricht der 65-jährige Eilts über Meilensteine in der Entwicklung des Vereins, Ziele, schlimme Zeiten sowie richtige und falsche Entscheidungen.

Flensborg Avis: Herr Eilts, der TSB Flensburg feiert in diesem Jahr 150-jähriges Vereinsjubiläum. Was zeichnet den TSB aus und wofür steht der Verein?
Frerich Eilts: Der TSB Flensburg steht für eine besondere Vielfalt, sowohl sportlich, als auch in seiner Mitgliederstruktur. Die Mitglieder sind jung und alt, arm und reich, um es einmal so auszudrücken. Sportlich bieten wir eine ganze Palette an, vom Breitensport bis hin zum Gesundheitssport. Wir fördern zugleich die Leistungsbereitschaft.

Flexibel auf Bedürfnisse reagieren

FlA: Viele Vereine quengeln über fehlenden Nachwuchs. Wie sieht es diesbezüglich beim TSB Flensburg aus?
Eilts: Wir haben einen hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen. Richtig ist, dass es schwieriger geworden ist, einen jungen Menschen dauerhaft von einer Sportart zu begeistern, als das früher der Fall war. Deswegen müssen die Angebote des Vereins heute noch jugendspezifischer und breiter aufgestellt sein. Von unseren rund 4800 Mitgliedern sind etwa 2000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren - mit stetig steigender Anzahl.

FlA: Warum hat der TSB diese offensichtlich bei anderen Vereinen vorherrschenden Probleme nicht?
Eilts: Weil wir durch unsere Struktur aus ehrenamtlichen- und hauptamtlichen Mitarbeitern sehr flexibel auf die Bedürfnisse unserer Mitglieder reagieren können. Ehrenamt allein kann das nicht leisten.

FlA: Das hört sich alles sehr positiv an. Welche Schwierigkeiten stellen sich denn dem TSB? Woran zwickt es?
Eilts: Wir können der großen Nachfrage im Fußball kaum nachkommen. Wir brauchen dringend einen Kunstrasenplatz. Doch unter dem Strich fehlt dafür das Geld.

FlA: Der TSB Flensburg braucht auch eine neue Halle. Die Schließung der Halle an der Reitbahn im Juni vergangenen Jahres hat dem TSB stark zugesetzt, oder?
Eilts: Die Umstände der Schließung der Halle an der Reitbahn haben zu großer Unsicherheit geführt und die Übungsleiter in dieser schwierigen Zeit auch demotiviert. Dies hat zu Austritten geführt, mehr als 100 Mitglieder haben den TSB verlassen. Aber unter dem Strich haben wir nun ein großes Projekt vor Augen. Es herrscht Aufbruchstimmung. Wir bauen und betreiben eine neue Halle Am Schützenhof, die im Herbst 2016 fertigstehen soll. Die Stadt gibt einen Investitionszuschuss und beteiligt sich an den Betriebskosten.

FlA: Herr Eilts, wo sehen Sie den TSB Flensburg in zehn Jahren?
Eilts: Dann bin ich sicherlich nicht mehr Vorsitzender (lacht). Wir werden die hauptamtliche Struktur weiter ausbauen müssen. Denn es wird sicherlich nicht mehr so funktionieren wie heute, wo beispielsweise Sönke Voß oder auch ich in einer ehrenamtlichen Struktur so viel Zeit aufwenden können und Verantwortung tragen wollen. Es wird irgendwann zu einer hauptamtlichen Geschäftsführung kommen. In zehn Jahren werden die Mitgliederzahlen mindestens gehalten werden können. Aber wir werden ständig dafür kämpfen müssen, dass der Sport weiter im Fokus bleibt.

FlA: Was waren die Meilensteine in der Entwicklung des TSB?
Eilts: Ein Meilenstein war sicherlich die Fusion 1973. Dazu gehören aber auch die Eröffnung des Förde-Fitness 1994, die Übernahmen der Duburghalle und der SBV-Halle, die Einführung einer hauptamtlichen Struktur sowie die Gründung der SG Flensburg-Handewitt im Jahre 1990.

FlA: Sie sind seit 1989 Vorsitzender des TSB. Was waren die Höhepunkte, aber auch die Tiefpunkte in dieser Zeit?
Eilts: Tiefpunkt war sicherlich die Schließung der Halle an der Reitbahn im vergangenen Jahr und die Art des Umgangs mit uns aber auch mit mir persönlich. Ein Höhepunkt war die Loyalität und Solidarität der Mitglieder des TSB in dieser Zeit. Höhepunkt war aber auch die Bildung der SG Flensburg-Handewitt 1990 und - was vielen gar nicht so bewusst ist - der Tag, als der Club 100 erstmals die Mitgliederzahl von 100 erreicht hatte. Damit wurde die Grundsicherung der SG erreicht. Aber auch die von uns initiierte Entscheidung für den Bau der Flens-Arena, der damaligen Campus-Halle zählt dazu.

FlA: Welches war Ihre beste Idee in 26 Jahren als Vorsitzender?
Eilts: Ich habe doch jeden Tag eine gute Idee (lacht). Nein im Ernst, die Einstellung von drei, vier hauptamtlichen Sportlehrern gleich zu Beginn meiner Amtszeit war sicherlich sehr wichtig. Wir hatten damals etwa 1600, 1700 Mitglieder, und waren so gesehen zu groß, um es allein beim Ehrenamt zu belassen, aber zu klein, um hauptamtliche Strukturen zu haben. Wir haben also die Sportlehrer eingestellt und gesagt »ihr müsst Mitglieder bringen«. Das hat funktioniert.

FlA. Gab es umgekehrt auch Entscheidungen, die Sie bereut haben?
Eilts: Ja, die gab es auch. Das wir Nachbargrundstücke nicht gekauft haben, womit wir Erweiterungsmöglichkeiten gehabt hätten. Als sich die Chancen, die sich im Laufe der Jahre mehrmals ergaben, haben wir nicht alle Möglichkeiten gesehen. Das wäre heute ideal gewesen, ob nun als Ergänzung zum Handball-Internat, durch ein Kleinspielfeld einhergehend mit einem Kunstrasenplatz auf dem jetzigen Sportgelände oder durch eine Halle oder durch eine Kletteranlage etc.

FlA: Sie haben fast drei Jahrzehnte als TSB-Vorsitzender auf dem Buckel. Wie lange machen Sie noch weiter?
Eilts: Ich denke nur im Zwei-Jahres-Rhythmus. Ich bin bis 2016 gewählt, weiter denke ich momentan nicht.
Marc Reese
mr@fla.de