Noch ist das Phantom in Flensburg
Handball
Der Name Glandorf geistert seit Tagen wie ein Phantom durch das deutsche Lager in der Normandie. Offiziell halten sich Spieler wie auch Coach Sigurdsson bedeckt, doch nun war es Glandorf selbst, dem der vermeintlich entscheidende Hinweis rausrutschte. Der 33-jährige Linkshänder rechnet fest mit einem Anruf des Bundestrainers.
»Wir stehen in Kontakt und ich bin mir sicher, dass er sich melden wird«, sagte Glandorf bei einem öffentlichen Internettalk mit dem langjährigen Bundesliga-Coach Martin Schwalb und Ex-Nationalspieler Stefan Schröder. Am Donnerstag, dem Ruhetag vor dem wichtigen Spiel um den Gruppensieg gegen Kroatien, so heißt es hinter vorgehaltener Hand, soll Glandorf zum Team stoßen. Auch in Flensburg ist das Nachrücker-Modell längst durchgesickert.
Sigurdsson will die Personalie nicht weiter kommentieren. Glandorf sei nach wie vor nur als »Notnagel« vorgesehen, sagte der Isländer - der die Voraussetzungen für eine Berufung seines Edeljokers aber längst geschaffen hat. Weil Sigurdsson vor dem Turnier lediglich 15 der 16 Kaderplätze besetzt hat, kann er durch das sogenannte »Late Entry« jederzeit einen zusätzlichen Spieler nach Frankreich beordern.
Nach den verletzungsbedingten Ausfällen der beiden Europameister Steffen Weinhold und Fabian Wiede ist das deutsche Team im rechten Rückraum dünn besetzt, mit Kai Häfner steht im Gegensatz zu allen anderen Positionen nur ein Spieler zur Verfügung. Und Glandorf zeigte nicht zuletzt in der WM-Generalprobe gegen Österreich (33:16), als er nach über zweieinhalb Jahren sein überraschendes Biltz-Comeback im Nationaltrikot gab, wie sehr er dem Team helfen kann.
Gerade mit Blick auf die K.o.-Phase könnte Glandorf für das deutsche Team zum entscheidenden Faktor werden. Seine Erfahrung aus 168 Länderspielen ist wertvoll, seine enorme Qualität steht außer Frage. »Jeder freut sich, wenn Holger kommt«, sagte Rückraumspieler Julius Kühn und adelte Glandorf als »begnadeten« Handballer. Schon in den wenigen gemeinsamen Trainingstagen vor dem Turnier habe man gesehen, »dass Holger unheimlich viel Bock hat. Es macht ihm sehr viel Spaß, mit uns zusammen zu spielen.«
Glandorf scheint noch einmal Feuer gefangen zu haben für die Nationalmannschaft. Zehn Jahre nach dem Wintermärchen mit WM-Gold im eigenen Land brennt der kantige Torjäger vom Bundesliga-Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt auf eine erneute Titeljagd - es wäre seine fünfte WM-Teilnahme nach 2005, 2007, 2009 und 2011.


