Geburtstag

30 Meilensteine in 30 Jahren SG

01. Juli 2020, 10:14 Uhr

3. Juni 2018: nach 14 Jahren endlich die zweite Meisterschale. Foto: Tim Riediger

Am 1. Juli 1990 - vor genau 30 Jahren wurde die SG Flensburg-Handewitt gegründet. Im Gnomenkeller in der Fußgängerzone trafen sich seinerzeit Verantwortliche aus dem Handballsport, der Politik und der Wirtschaft, um die SG zu gründen. Formal schlossen sich damals die Handballabteilungen des TSB Flensburg und vom Handewitter SV, nicht aber vom seinerzeit existierenden ETSV Weiche Flensburg, zusammen. Es war der Beginn einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte.

Der nationale Aufstieg war ebenso rasant wie der im internationalen Geschäft. In diesem Jahr nun wollte die SG feierlich ihr 30. Jubiläum begehen, bis die Coronakrise kam. »Wir mussten natürlich unsere geplanten Veranstaltungen absagen«, bedauert dies Geschäftsführer Dierk Schmäschke, freut sich aber dennoch über den runden Geburtstag seiner SG. Für uns so oder so Anlass genug, um auf die bewegte Geschichte des Handball-Teams zurückzuschauen. Hier sind unsere 30 Meilensteine aus 30 Jahren SG Flensburg-Handewitt.

Serdarušic erster Coach

1. Juli 1990: Gründung der SG Flensburg-Handewitt aus den Handballabteilungen des TSB Flensburg und des Handewitter SV, nicht aber des ETSV Weiche Flensburg.
Erster Trainer war der Kroate Zvonimir »Noka« Serdarušic. Er startete mit dem Team in der 2. Liga und schaffte 1992 ohne Verlustpunkt den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Auf ihn folgten die Dänen Anders Dahl-Nielsen, Erik Veje Rasmussen, die Schweden Kent-Harry Andersson (für ein halbes Jahr vertreten durch den Isländer Viggó Sigurðsson), Per Carlén und Ljubomir Vranjes. Seit dem Sommer 2018 ist Maik Machulla Cheftrainer und hat die SG bereits zu zwei Meistertiteln geführt. Sein Vertrag läuft bis 2023. Gleiches gilt für seinen Assistenten, Mark Bult.
1992 gründete sich der erste Fanclub der SG, »Die Wikinger«. Etwa 260 Fans sind hier organisiert. Es gibt außerdem die Hölle Nord (1995), Nordlichter (2005) und die Alte Garde (2009).
Juni 1993 erster sportlicher Abstieg mit Tabellenplatz 16. Da aber der TSV Milbertshofen Pleite ging, blieb die SG in der ersten Liga. 

Holpert mit 616 Ligaspielen

Am 10. September 1993 spielte Jan Holpert sein erstes Bundesligaspiel für die SG, 15 Jahre später, am 2. Juni 2007 beendete er mit Platz 3 und 616 Bundesligaspielen ( TSV Milbertshofen und SG) seine Karriere.
12. Dezember 1993: Erster Derby-Sieg der SG gegen den THW Kiel. Die SG gewann sicher mit 21:14. In den beiden Spielen zuvor verlor die SG jeweils mit einem Tor (17:18, 18:19). Am 21. August 2019 fand das 100. Derby statt. Die SG Flensburg-Handewitt gewann dabei zum 36. Mal (THW bis dahin 59).
1995 fand zum letzten Mal eine Bundesliga-Partie in der Wikinghalle in Handewitt statt. Die SG trug ihre Spiele außerdem in der Fördehalle und seit 2. Dezember 2001 in der Flens-Arena aus (früher Campushalle) aus.
Saison 95/96: 1. Deutsche Vizemeisterschaft. Insgesamt wurde die SG bereits 13 Mal zweitbeste Mannschaft und trug lange den ungeliebten Beinamen »Ewiger Zweiter« (1996, 1997, 1999, 2000, 2003, 2005, 2006, 2008, 2012, 2013, 2016, 2017 und 2020. Nach drei Titeln (2004, 2018 und 2019) ist dieser aber längst Geschichte.
1996: Dierk Schmäschke wird gemeinsam mit Manfred Werner erster Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt Handball-Bundesliga GmbH & Co. KG. Schmäschke ging 2004 zum HSV Hamburg und kehrte 2011 zurück. Er ist nun im 16. Jahr Geschäftsführer der SG und somit der dienstälteste Manager der Liga.

Erster Titel 1997

23. Mai 2004: erste deutsche Meisterschaft. Archivfoto

18. April 1997: Die SG gewinnt ihren ersten Titel: den EHF-Pokal. In der Finalrunde verlor die SG das Hinspiel beim dänischen Verein Virum-Sorgenfri HK mit 22:25, gewann aber das Rückspiel mit 30:17. 1999 kam der Euro-City-Cup hinzu. Außerdem gewann sie auf internationalem Parkett 2001 und 2012 den Europapokal der Pokalsieger sowie 2014 die Champions League. In der Königsklasse, für die die SG in der neuen Saison erneut qualifiziert ist, ging es 2004 und 2007 ebenfalls ins Endspiel. Seit über zwei Jahrzehnten nimmt die SG ununterbrochen am Europacup teil und gehört inzwischen zu den erfolgreichsten Teams auf dem gesamten Kontinent. Als einziger Verein aus Deutschland hat die SG alle vier bedeutenden Europapokale mindestens einmal gewonnen.
9. August 2000: 1. Supercup-Titel. Die SG gewann als Vizepokalsieger gegen den THW Kiel als Meister und Pokalsieger im Supercup mit 20:19. Zehn Mal spielte die SG bisher den Supercup, und gewann ihn drei Mal (2000, 2013, 2019). Für den 2. September 2020 ist die nächste Teilnahme geplant. An dem Tag möchte die HBL erstmals seit dem Beginn der Corona-Krise wieder ein Pflichtspiel austragen. In Düsseldorf steht das Duell des Meisters aus Kiel gegen den Vize aus Flensburg an (die SG darf antreten, da der DHB-Pokalsieger in diesem Jahr nicht ermittelt wurde).
3. April 2002: Der SG gelang der höchste Sieg in ihrer Bundesliga-Geschichte. Sie gewann 39:18 gegen den VfL Bad Schwartau.
20. April 2002: Bittere Finalniederlage und Massenschlägerei im Europapokal der Pokalsieger gegen Ciudad Real. Nach dem Hinspiel in Spanien gerieten die Teams aneinander. Dabei sprang u. a. Ciudad-Trainer Veselin Vujovic im Stil eines Kung-Fu-Kämpfers Lars Christiansen in die Kniekehle. Trotz fehlendem Bericht wurde Vujovic von der EHF für zehn Monate gesperrt und musste 9000 Euro Strafe zahlen. Härter traf es aber die SG: Spielmacher Christian Berge wurde für das Rückspiel ebenfalls gesperrt. Am Ende war der 32:27-Rückspielerfolg zu wenig für Flensburg.
13. April 2003: erstmals DHB-Pokal-Sieger. 
23. Mai 2004: Erste Deutsche Meisterschaft. Mit 58:10 Punkten und zwei Derby-Siegen gewann die SG ihre erste Meisterschaft. Am 3. Juni 2018 folgte nach 14 langen Jahren endlich die zweite Deutsche Meisterschaft und nur noch ein Jahr später der dritte Titel. Für Maik Machulla war es der perfekte Einstieg in seine Zeit als Chefcoach und bei der SG Flensburg-Handewitt.
 Auch die B-Jugend der SG konnte feiern. Sie gewannen die Deutsche Meisterschaft gegen den SC Magdeburg. 

SG als »Danskerklub«

Nach dem ersten Sieg im DHB-Pokal entstand dieses legendäre Teamfoto. Archivfoto

29. April 2007 standen sich mit dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt erstmals zwei Mannschaften aus einem Bundesland in einem Champions-League-Finale gegenüber. Im Hinspiel in Flensburg stand es am Ende 28:28. Das Rückspiel endete 29:27 für die Kieler, die damit erstmals den Pokal gewannen. 
August 2005: Michael V. Knudsen kam zur SG und war damals der elfte Däne, der für die SG auflief. Insgesamt spielte der Kreisläufer neun Jahre in Flensburg bei dem Verein, der auch gerne als „Danskerklub“ bezeichnet wird. Warum? Darum: 26 dänische Handballer und vier dänische Trainer (dazu noch Lars Walther und Jan Paulsen als Co-Trainer bzw. spielender Co-Trainer) waren seit 1990 unter Vertrag. Passenderweise also auch 30 Akteure (plus zwei). Zur neuen Saison kommt Weltmeister Mads Mensah Larsen von den Rhein-Neckar Löwen und das Top-Talent Lasse Møller von GOG. Anders Zachariassen hingegen wechselt zurück nach Dänemark und schließt sich GOG an. Mit Lasse Svan und Simon Hald stehen derzeit noch zwei weitere dänische Weltmeister im Kader.
September 2007: Jacob Heinl bekam einen Profivertrag. Der gebürtige Hamburger spielte seit 1994 (E-Jugend) bis Sommer 2018 ausschließlich für die SG, bevor er zum dänischen Erstligisten Ribe-Esbjerg HH wechselte. Im Oktober 2019 kehrte er nach einer Verletzung von Simon Hald zu seiner SG zurück. Inzwischen wurde sein Vertrag bis zum Sommer 2021 ausgedehnt.

Teurer Muratovic

Teuerster Transfer?: Alen Muratovic unterschrieb im Mai 2008 einen Vierjahresvertrag, der 2010 aufgelöst wurde. Es wird gemunkelt, dass die SG rund 700.000 Euro Ablöse an den spanischen Club BM Valladolid bezahlte. Bis heute sicherlich der teuerste SG-Zugang, sogar im Welthandball nach wie vor einer der teuersten Transfers überhaupt. Eine Schulterverletzung zwang Muratovic am Ende zum Aus bei der SG und in die vorübergehende Sportinvalidität. Mittlerweile spielt der 40-Jährige aber wieder in der ersten Liga in Spanien. Übrigens: Trainer Ljubomir Vranjes verließ die SG im Sommer 2018 in Richtung Veszprém und in Verbindung mit seinem Abgang war von einer Millionen Euro Ablösesumme die Rede.

3. September 2008: SiGi, die Stoffmöwe schlüpft aus dem Ei. Der bisherige Alleinunterhalter Elch Erik von den Stadtwerken bekam somit einen neuen Begleiter und SiGi ist seitdem das offizielle Vereinsmaskottchen.

2009/10 Insolvenz abgewendet: Der neu verpflichtete Geschäftsführer Holger Kaiser konnte eine Insolvenz abwenden. Die SG war in finanzielle Probleme geraten, da die Champions-League-Qualifikation verpasst wurde und damit geplante Einnahmen wegblieben. Kaiser verhandelte mit den Spielern einen 15-prozentigen Gehaltsverzicht sowie ein Aussetzen der für 2009/10 geplanten Gehaltssteigerungen.

3996 Christiansen-Tore

5. Juni 2010: Der Däne Lars Christiansen spielt zum letzten Mal für die SG. In 14 Saisons warf der Linksaußen insgesamt 3996 (1623 Siebenmeter) Tore für die SG und liegt damit einsam an der Spitze. Anders Eggert, Christiansens Nachfolger auf Linksaußen, traf als zweitbester Schütze 1745 mal (844 Siebenmeter). Christiansen ist auch Rekord-Siebenmeterschütze der SG und mit 626 Pflichtspieleinsätzen Rekordspieler. Ihm zu Ehren wurde der Platz vor der Flens-Arena in »Lars-Christiansen-Platz« getauft. Seit dem Herbst 2019 ist der Däne wieder zurück bei der SG und gehört zum Kompetenzteam hinter der Mannschaft.

21. April 2011: Höchste Heimniederlage in der Champions League. Im Viertelfinale ging es gegen den spanischen Verein Ciudad Real und die SG verlor 24:38 - negativer Rekord. In der Bundesliga setzte es die höchste Heimpleite gegen den SC Magdeburg. Das war am 20.9. 2003 und die SG verlor mit 19:30. Am Ende der Saison wurde Flensburg dennoch Meister und bewies einmal mehr: Niederlagen können auch etwas Gutes haben, wenn aus ihnen gelernt wird.

6. Juni 2013: Die SG Flensburg-Handewitt verliert am 3. Spieltag der Bundesliga zwar beim SC Magdeburg, kann sich aber über den 30.000 Pflichtspieltreffer der Vereinsgeschichte freuen. Und wer hat ihn erzielt: Natürlich Holger Glandorf, Rekord-Feldtorschütze der Liga. 2406 Feldtore sind es in 19 Jahren Bundesliga geworden. Dazu kommen noch 23 Treffer vom Siebenmeterpunkt. Für die SG hat Glandorf, der seine Karriere in diesem Jahr beendet hat und fortan zum Geschäftsstellen-Team gehört, 425 Spiele absolviert und dabei 1731 Treffer erzielt. Mit beiden Zahlen liegt er in der SG-Top-Ten der Rekordspieler und Rekord-Torschützen.
Übrigens ist die SG inzwischen auf einem guten Weg zum 40.000 Treffer. Im November 2019 gelang Magnus Rød der 39.000 Treffer und inzwischen steht die SG bei: 39.488 Toren.

1. Juni 2014: Gewinn der Champions League. Die SG gewann in Köln das Finale der gegen Kiel mit 30:28. Am Vortag gelang beim 41:39-Sieg nach Siebenmeterwerfen im Halbfinale gegen den FC Barcelona nach einem zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstand das wohl spektakulärste Comeback der Vereinsgeschichte.

Hall of Fame

Februar 2015: Verletzungspech. Sowohl Cheftrainer Ljubomir Vranjes als auch sein Co Maik Machulla saßen im Europacup-Spiel gegen Wisla Plock mit Trikot auf der Bank. Die Verletztenliste bei der SG war damals besonders lang: Jim Gottfridsson (Fuß), Holger Glandorf (Achillessehne), Thomas Mogensen (Hüfte), Lars Kaufmann (Wade), Michael Nicolaisen (Grippe) fehlten ebenso wie Lasse Svan (Zerrung), Jacob Heinl (Virus-Infektion) und Jakob Macke (keine Spielberechtigung für die Champions League).
Der damalige Co-Trainer Maik Machulla spielte und erzielte zwei Tore. Chefcoach Ljubomir Vranjes hatte ein Trikot unterm Polo-Hemd und stand für ein Comeback bereit. Soweit kam es aber nicht. Die SG verlor mit 29:31.

September 2015: Die Flensburg Akademie wird offiziell eingeweiht. Die Flensburg Akademie ist aus dem Jugendförderverein »get in touch«, der im Jahr 2000 gegründet wurde und somit in diesem Jahr sein 20. Jubiläum feiert, hervorgegangen. Sie ist das für den Nachwuchsbereich der SG Flensburg-Handewitt zuständige Ausbildungszentrum. Viele der jungen Handballer wohnen und trainieren dort. Der im Gebäude vorhandene Kraftraum wird seit zwei Jahren auch von den Profis genutzt.

3. August 2018: Die SG gründet die Hall of Fame und nimmt als erste Lars Christiansen, Jan Holpert, Anders Eggert, Jacob Heinl und Thomas Mogensen auf. Ein Jahr später kommt der langjährige Kapitän Tobias Karlsson hinzu. Der Schwede wird mit einem goßen Abschiedsspiel verabschiedet. Als nächsten Kandidaten für die Ruhmeshalle der SG hat Geschäftsführer Dierk Schmäschke bereits Holger Glandorf benannt.

Die Feierlichkeiten waren längst geplant und sollten gebührend ausfallen. Doch den 30. Geburtstag muss die SG still und leise begehen. Die Coronakrise kam ihr dazwischen. Am 8. März beim 35:33-Auswärtssieg bei den Füchsen Berlin war die SG letztmals aktiv. Seither ruht der Handball und auch wenn inzwischen die Planungen für die neue Saison angelaufen sind, wann es tatsächlich weitergeht, kann nach wie vor niemand mit Sicherheit sagen. Politik und die Medizin bestimmen darüber. In den letzten drei Jahrzehnten hat die SG bereits einige sportliche und auch wirtschaftliche Krisen durchstehen müssen. Die aktuelle ist eine nie dagewesene, doch wenn auch diese gemeistert wird - vielen weiteren erfolgreiche Jahren steht nichts im Wege und das nächste Jubiläum kann dann umso größer ausfallen.   


Grit Jurack/Ruwen Möller