13.01.2020

Als Wasserträger im Wartestand

Handball

Johannes Golla hat derzeit nur die Rolle als Wasserträger und Trainingspartner bei der deutschen Handball-Nationalmannschaft, kommt damit aber gut zurecht. Fotos: Sascha Klahn

Trondheim. Am Mittwoch, den 8. Januar, einen Tag vor dem EM-Auftakterfolg der Deutschen gegen die Niederlande (34:23) habe er die »schlechte Nachricht« erfahren, so Johannes Golla. Damit meinte er jene Information von Handball-Bundestrainer Christian Prokop, dass er der 17. Mann im Kader und somit zunächst Reservist ist. »Die Entscheidung habe ich ihm mitgeteilt. Das heißt, dass wir mit den anderen 16 morgen in unser erstes Turnierspiel starten«, hatte Prokop einen Tag vor der Partie im Teamhotel der deutschen Mannschaft in Trondheim gesagt. Und daran wird sich während der Vorrunde auch nichts mehr ändern. Am Sonntag bestätigte Prokop während eines Medientermins, dass der Kader vor dem letzten Gruppenspiel gegen Lettland am Montag (18.15 Uhr/live ZDF) unverändert bleibt. Golla hatte die Pressekonferenz aus dem Hintergrund verfolgt und sich anschließend mit einem Becher Kaffee - seinem Lieblingsgetränk - in der einer Sofa-Ecke bequem gemacht.

Es falle ihm natürlich schwer, nicht zu spielen, bestätigte er Flensborg Avis im Interview, sagte aber auch: »Es ist jetzt meine Rolle, sie ist ungewohnt, aber ich habe sie akzeptiert«. 


Golla ganz der Mannschaftsspieler, so wie man ihn von der SG Flensburg-Handewitt kennt. Dort spielt er ständig und viel, hat viel Verantwortung, seit dem Weggang von Vereinslegende und Flensborg Avis EM-Experte Tobias Karlsson auch immer mehr außerhalb des Platzes. Doch das war zu Beginn bei der SG und in seiner Zeit bei der MT Melsungen nicht immer so. Daher fällt es Golla »auch nicht schwer«, seine Mitspieler zu unterstützen, so gut er es als Reservist nun kann. 

»Ich versuche mit positiver Energie meinen Teil beizutragen und die Jungs vor dem Spiel auf meine Art anzufeuern. Ich bin jedoch neu im Team und weiß noch nicht so genau, mit wem ich wie umgehen kann. Bei der SG kenne ich alle, hier halte ich mich im Zweifel lieber etwas zurück.« 

Dass er ohne aufzumucken sprichwörtlich den Wasserträger gibt - Golla trug nach der 26:33-Pleite gegen Spanien am Sonnabend die Getränkeflaschen der Teamkollegen in die Kabine - hat auch damit zu tun, dass seine Zeit noch kommen soll. So hat es Prokop vor dem Turnier auch formuliert.

»Wir werden ihn definitiv noch bei diesem Turnier sehen«, stellte der Coach dem Kreisläufer sogar eine Art Einsatzgarantie in Aussicht. Hinter Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek ist Golla als dritter Innenblock-Spieler eingeplant. Und das Turnier ist nach seinem Wunsch noch lang. 

Am Montag soll zunächst das Minimalziel Hauptrunde klargemacht werden. Mit einem Sieg gibt es daran keinen Zweifel und das ist in Gollas Augen auch der Anspruch des DHB-Teams. »Natürlich haben die Letten auch ihre Qualitäten, aber als deutsche Mannschaft wollen und müssen wir gegen sie gewinnen«, so Golla. Während der Vor- und Hauptrunde sowie am Finalwochenende sind jeweils bis zu zwei Wechsel mit Spielern aus dem erweiterten 28er-Kader möglich. Zu diesen gehört neben Golla auch der Ex-Flensburger Steffen Weinhold. Beide Namen sorgten am Sonntag im Lager des Nationalteams für Spekulationen. Nachdem Golla erstmals bei einem offiziellen Medientermin auftauchte, wurde ebenso über seinen Einsatz gerätselt, wie die Frage nach Weinhold aufkam. 

Prokop sagte jedoch zur personellen Situation: »Wir haben vollen Fokus auf Lettland und werden jetzt nichts zu möglichen Spieler-Rochaden besprechen.« Ohnehin habe er seinen Plan für das gesamte Turnier bereits im Vorwege - natürlich intern - mit seiner Mannschaft geklärt. »Wir haben abgemacht, dass ich auf ihn zukommen kann, wenn ich eine Frage habe«, gibt Golla einen kleinen Einblick in die Absprache mit dem Coach. 

Aktuell findet kaum ein Austausch mit ihm statt, doch dafür hat der 22-Jährige »vollstes Verständnis«. Immerhin wird er stets rechtzeitig informiert, ob er zum Einsatz kommen soll oder nicht. »Das ist auch wichtig, da ich ein mit dem Nationalteam und Michael Döring (Athletiktrainer der SG/Red.) ein abgestimmtes Trainingspensum absolviere. Ich benötige schließlich auch meine Belastungen, um die Spannung zu halten. Und langfristig ist das auch für die SG gut«, so Golla. Der sich weiterhin über gute Leistungen im Verein für zukünftige Aufgaben im DHB-Dress empfehlen will. 

Denn auch als Reservist hat er Blut geleckt, die EM, sein erstes großes Turnier macht ihm Spaß. »Na klar ist es schön, dabei zu sein. Ich weiß zwar noch nicht, ob ich mit nach Wien darf, wenn wir die Hauptrunde erreichen. Doch es sieht so aus und natürlich möchte ich mich irgendwann auch mit den besten Spielern auf internationalem Parkett unter Wettkampfbedingungen messen. Diese Spiele sind etwas Besonderes für mich, genau wie in der Champions League mit der SG. Dort ist in der Rückrunde auch noch alles möglich und wenn ich mich im Verein weiterempfehle, werde ich hoffentlich auch in Zukunft wieder zur Nationalmannschaft eingeladen.« 

Dieses Jahr wäre kein schlechtes Jahr dafür, schließlich warten im Sommer möglicherweise noch die Olympischen Spiele. Doch um direkt nach Tokio zu kommen, müsste bei dieser EM schon der Titel her und dafür bedarf es noch einer Steigerung des DHB-Teams. Vielleicht auch einer Einwechslung von Golla; versprochen hat sie der Bundestrainer und würde dann eine gute Nachricht übermitteln.

Ruwen Möller