13.01.2020

Beeindruckende Kulisse, wenig spielerischer Glanz

Fußball

Die Enttäuschung war Julian Stöhr (l.) und Tim Wulff (r.) vom SC Weiche Flensburg 08 nach der Finalniederlage gegen den SV Todesfelde ins Gesicht geschrieben. Fotos: Lars Salomonsen

Kiel. Der Traum vom Flensburger Finale beim Hallenmasters des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes im Handball-Tempel in Kiel vor der mit 8659 Zuschauern ausverkauften Halle hat sich nicht erfüllt. Dass der Traum aber überhaupt bis zum Halbfinale geträumt werden durfte, war nach dem desaströsen Beginn des TSB Flensburg nur den kühnsten Optimisten zuzutrauen. Der SC Weiche Flensburg 08 hingegen arbeitete sich schon fast wie gewohnt mit viel Disziplin durch das Turnier bis in das Finale, glänzte dabei aber nur selten. Am Ende durfte der SV Todesfelde nicht unverdient den 10,8 Kilogramm schweren Hallenmasters-Pokal in die Höhe strecken und mit seiner imposanten Fan-Schar von über 1200 bis in den frühen Morgen feiern. Dabei machten die Todesfelder im Halbfinale dem TSB den Garaus, ehe im intensiven Finale der SC düpiert wurde. 

Aber der Reihe nach. Dem TSB Flensburg gebührte das Eröffnungsspiel vor den Augen der vor Erwartung fast platzenden 8659 Fans gegen Holstein Kiel, die mit einer Mischung aus der Regionalliga-Mannschaft und der U19 antraten, da sich die Zweitligamannschaft in Spanien auf die Rückrunde vorbereitete. Doch vom Anpfiff an wirkte das Spiel zu schnell für die Flensburger, die überhaupt noch nicht angekommen schienen. 

»Wir sind gar nicht ins Turnier gekommen. Die ersten neun Minuten ist das Spiel an uns vorbei gelaufen, aber danach haben wir uns stetig gesteigert. Nach dem Spiel wurde es auch lauter in der Kabine. Die Mannschaft musste geweckt werden«, war TSB-Trainer Jan Hellström unglücklich mit dem Auftakt, aber zufrieden mit der Steigerung im Turnierverlauf. 

Denn der Verlauf meinte es gut mit dem TSB, der mit dem 5:2-Sieg gegen den 1. FC Phönix Lübeck und dem 2:1-Sieg gegen den VfB Lübeck die 2:4-Auftaktniederlage wett machte. Dabei machte insbesondere Timo Carstensen auf sich aufmerksam, der die gesamte Halle zu stehenden Ovationen animierte. Der erfolgreichste Schütze des Turnieres hatte den entscheidenden Treffer gegen den VfB Lübeck in den letzten Sekunden geschossen und das traumhaft per Fallrückzieher. Leider eines der wenigen spielerischen Highlights des eher physisch betonten Budenzaubers. 

Endstation war für den wacker kämpfenden TSB dann das Halbfinale, das in einem Duell auf Augenhöhe unglücklich gegen den SV Todesfelde verloren wurde. Das saß bei TSB-Stürmer Nicholas Holtze auch Stunden nach der Niederlage noch tief. 

»Der Frust direkt nach der Niederlage hat schon überwogen. Wir hätten sicher das Neunmeterschießen verdient gehabt und da kann dann alles passieren. Mit etwas Abstand war das aber ein toller Abend und ein großes Erlebnis«, so Holtze um Optimismus bemüht.

Trauma Todesfelde

Zu einer Art Trauma entwickelt sich für den SC Weiche Flensburg 08 der SV Todesfelde. Bereits im Landespokal musste der Regionalligist überraschend das Ausscheiden gegen den Oberligisten hinnehmen und nun auch die Hallenkrone dem SV Todesfelde überlassen. Trennten sich die Kontrahenten zum Auftakt der Vorrunde noch mit einem 1:1-Unentschieden, behielt der Underdog im Finale mit 3:1 die Überhand. Für Daniel Jurgeleit, Trainer des SC Weiche Flensburg 08, aber kein Grund sich lange zu grämen. 

»Wir wollten auch unbedingt den Pokal holen, aber man muss auch sagen, dass Todesfelde mit der Unterstützung und der Gemeinschaft, die sie hier an Tag gelegt haben, wir auch mal mit dem zweiten Platz leben können«, befand SC-Trainer Daniel Jurgeleit nach der Finalniederlage. 

Im Finale allerdings ging es nochmal hitzig zur Sache und kein Millimeter des Kunstrasens wurde freiwillig überlassen. Zu spüren bekam das auch SC-Spieler Dominic Hartmann, dem nach einem Gerangel um den Ball kräftig durchs Gesicht gewischt wurde. Eigentlich zu kräftig, aber das sahen die Unparteiischen anders. 

»Meiner Meinung nach, war das eine klare Tätlichkeit. Das hätte auch spielentscheidend sein können. So fahren wir etwas bedient nach Hause. Für Todesfelde ist es sicher ein Ausnahmeturnier und noch wichtiger, als für uns. Dennoch war es in meinen Augen zu nickelig«, so Hartmann, der aber schnell den Fokus wieder auf die anstehende Vorbereitung »wir haben noch viel vor« gerichtet hatte.

Positives Fazit

Insgesamt zeigten sich beide Flensburger Vereine aber einmal mehr vom Hallenmasters angetan. »Insgesamt ein außergewöhnliches Turnier mit toller Stimmung«, so SC-Trainer Daniel Jurgeleit, der sich auch auf das kommende Jahr freut. 


Für TSBs Jan Hellström wird es vorerst die letzte Teilnahme beim Budenzauber in Kiel mit dem TSB Flensburg gewesen sein, der Trainer hört zum Saisonende auf eigenen Wunsch hin auf (wir berichteten). Etwas Wehmut konnte Hellström aber nicht verbergen. 

»Das Hallenmasters mit dem TSB war vermutlich das letzte Mal für mich. Im Endeffekt aber geht es um den Fußball. Im Leben wie im Fußball geht es immer weiter. Mal sehen, was es dann für mich bereit hält«, so Jan Hellström abschließend.

Timo Fleth