Das Wunder von Polen

Handball EM

01. Februar 2016, 07:10 Uhr

Europameister 2016: Deutschland mit Bundestrainer Dagur Sigurdsson (mit EM-Schale). (Foto: Jens Wolf/dpa)

Krakau. Deutschland hat das Handball-Wunder geschafft. Mit einem bärenstark herausgespielten 24:17 (10:6)-Finalerfolg gegen schier chancenlose Spanier holte die junge DHB-Auswahl zum zweiten Mal nach 2004 den EM-Titel nach Deutschland. 


Gleichzeitig hat sich das DHB-Team auf direktem Weg für die Olympischen Spiel in Rio de Janeiro im August qualifiziert. »Die Jungs haben Geschichte geschrieben«, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning unmittelbar nach dem Finale stolz. Oliver Roggisch, Teammanager der DHB-Auswahl fügte hinzu: »Dieses Team hat in jedem Spiel 110 Prozent gegeben. Die Abwehrarbeit war heute reif für ein Lehrvideo. Dazu hat Andreas Wolff eine Weltklasse-Leistung hingelegt. Wir sind zu Recht Europameister geworden und ich bin unglaublich stolz auf das Team sowie den Trainer. 

Die Bad Boys sind absoluter Wahnsinn.« Bundestrainer Dagur Sigurdsson sagte voller Freude: »Es war eine großartige Leistung. Wir haben die Früchte für unsere Arbeit geerntet und dieser Sieg gehört allen, die dabei mitgeholfen haben.« Bereits zwei Minuten vor Spielschluss in der Tauron-Arena von Krakau lagen sich die ersten Spieler in den Armen. Die letzten Sekunden wurde gar nicht mehr Handball gespielt, so klar war der Sieg. Dann stürzten sie alle auf Torhüter und Erfolgsgarant Wolff im deutschen Tor. Dieser Sieg gegen Spanien, die noch in der Vorrunde die Oberhand behielten (32:29) war hochverdient.Die Mannschaft von Bundestrainer Sigurdsson erwischte einen Traumstart. Die Abwehr vor dem starken Torhüter Wolff (48 Prozent gehaltene Bälle) begann wie eine Mauer aus Stahl, Rune Dahmke und dreimal Kai Häfner warfen Deutschland mit 4:1 in Front. Erst nach knapp 12 Minuten gelang den Spaniern ihr zweites Tor (2:5). Die DHB-Auswahl blieb trotz einiger Zeitstrafen am Drücker, denn die Spanier fanden einfach keine Mittel gegen die dichte, hochkonzentrierte Abwehr der deutschen Mannschaft. Gerade einmal sechs Gegentore ließ die DHB-Auswahl bis zur Pause (10:6) zu. Der Titel rückte immer näher. Es kribbelte bei den deutschen Fans auf den Rängen - und ihre Helden auf dem Parkett zeigten keine Nerven, keine Angst, keine Schwächen - sondern agierten gekonnt dem größten Erfolg ihrer Karriere entgegen. Am Montag um 14.20 Uhr soll die Nationalmannschaft auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Tegel landen. Von dort fährt sie direkt zum Fanfest in der Berliner Max-Schmeling-Halle. Da wird ihr Wintermärchen gefeiert.


Marc Reese 

Deutschland: Wolff (HSG Wetzlar), Lichtlein (VfL Gummersbach) - Sellin (MT Melsungen) 1/1, Lemke (SC Magdeburg), Reichmann (KS Vive Kielce/Polen) 3, Wiede (Füchse Berlin), Pekeler (Rhein-Neckar Löwen) 2, Strobel (HBW Balingen-Weilstetten) 1, Schmidt (TSV Hannover-Burgdorf) 1, Fäth (HSG Wetzlar) 3, Häfner (TSV Hannover-Burgdorf) 7, Dahmke (THW Kiel) 4, Kühn (VfL Gummersbach) 1, Ernst (VfL Gummersbach), Pieczkowski (TuS N-Lübbecke), Dissinger (THW Kiel), Kohlbacher (HSG Wetzlar) 1 


Spanien: Sterbik, Perez de Vargas - Gurbindo, Maqueda, Tomas 4/3, Entrerrios 5, Aguinagalde, Ugalde 1, Canellas 1, Morros, Garcia 2, Rivera 1, Guardiola, Mindegia, Del Arco, Dujshebaev 3 

Zuschauer: 15.000; 
Schiedsrichter: Gjeding/Hansen (Dänemark); 
Strafminuten: 16/8