Handball

Den Vertrauensvorschuss nicht missbrauchen

Thomas Bleicher
13. August 2020, 14:22 Uhr

Der Handball im nördlichsten Bundesland steht vor dem Re-Start. Foto: dpa

Flensburg/Kiel. »Wir Handballer sind froh, dass wir jetzt diesen großen Schritt gehen«, sagte Dierk Petersen. Dem Vorsitzenden des HVSH (Handballverband Schleswig-Holstein) war deutlich anzumerken, wie erleichtert er über die Corona-Lockerungen für die Sportlandschaft des nördlichsten Bundeslandes ab dem 19. August ist. Als Petersen am Mittwoch-Nachmittag vor dem Landeshaus in Kiel vor die Presse trat, brach es aus ihm heraus. Er hatte viel mitzuteilen und wählte nach dem Spitzentreffen zwischen Politik und Sport klare Worte.

Petersen bedankte sich zunächst bei Ministerpräsident Daniel Günther, der sich in einem persönlichen Telefonat über die Sorgen der Handballer des Landes informiert hatte. Diesen Schritt bezeichnete Petersen als sehr »anständig«. Nachdem die Landesregierung vor einigen Tagen bekannt gegeben hatte, dass es für den Sport keine weiteren Lockerungen geben werde, hatte Petersen und seine Kollegen vom Fußball, Basketball und Volleyball für den gesamten Sport in Schleswig-Holstein gekämpft und angefangen, Druck aufzubauen. Mit Erfolg, wie sich am Mittwoch zeigte.

»Wir haben ehrlich miteinander gesprochen und das wir ab dem 19. August wieder in voller Stärke trainieren und Testspiele absolvieren dürfen, damit ist uns ein großer Wurf gelungen. Gleichzeitig haben wir aber auch viel Verantwortung zu tragen.«

Petersen machte unmissverständlich deutlich, dass sich alle SpielerInnen, Mannschaften und Vereine an die Vorschriften, die der HVSH nun an seine Mitglieder herausgeben wird, halten müssen.
»Wir haben einen unheimlichen Vertrauensvorschuss bekommen und nur wenn wir uns an die Vorgaben halten, kann das eine gute Sache werden.«
Der oberste Handball-Funktionär des Landes bringt wenig Verständnis dafür auf, dass die Hygienevorschriften in letzter Zeit an vielen Stellen schleifen gelassen wurden. So gibt es Internet unzählige Fotos und Videos von Handball-Teams, die mit mehr als zehn Akteuren pro Gruppe (so viele waren bzw. sind bis zum 19.8. zugelassen) trainiert haben oder oder anderweitig in Aktion waren. Abstandsregeln wurde dabei kaum bis gar nicht eingehalten. Darauf angesprochen sagte Petersen: »Wir haben alle eine harte Zeit mit Handball-Abstinenz hinter uns. Aber es gilt bis zum 19.8. ein klares Verbot, dass nicht mehr als zehn SpielerInnen zusammen agieren dürfen. Daher habe ich mich über diese Bilder sehr gewundert und auch darüber, dass Teams damit derart freizügig umgegangen sind. Wir werden unser Hygienekonzept daher in der Satzung verankern, damit wir in solchen Fällen in Zukunft entsprechend reagieren können. Nochmal: wir haben einen Vertrauensvorschuss erhalten, aber all das hier ist kein Selbstläufer.«
Petersen selber hatte sich den 17. August als Starttermin gewünscht, weiß jedoch um die zeitliche Problematik, dass die Landesverordnung nun erst abgeändert werden muss und kann daher mit dem 19. August als »Kompromiss« leben.
»Schade« findet er, dass im Handball noch keine Zuschauer zugelassen sind, versprach aber jede Menge Livestreams, damit die Fans auch wieder Handball schauen können. Zudem sagte Petersen, dass sich Politik und Sport Ende August erneut unterhalten. Ob dann abermals gelockert werden kann, hängt mit der weiteren Entwicklung der Pandemie zusammen. 
»Durch die Zahlen am Mittwoch (in ganz Deutschland gibt es derzeit wieder einen Anstieg an Corona-Fällen/Red.) wurde die Politik wieder aufgeschreckt. Ich denke jedoch, dass ab September Massnahmen für kürzere Zeitpunkte gesetzt werden. Aber nur, wenn die entsprechenden Hygienekonzepte eingehalten werden.«

Ruwen Möller