Kretzschmar polarisiert

Handball

15. Januar 2019, 08:20 Uhr

Handball-Ikone und Experte Stefan Kretzschmar hat für seine Aussagen ordentlich Gegenwind bekommen. Foto Lars Salomonsen

Berlin/Wiesbaden. Der frühere Handball-Star Stefan Kretzschmar hat mit seinen Äußerungen über fehlende Meinungsfreiheit in Deutschland eine Debatte über den Sport hinaus losgetreten - steht aber dazu. Der 45 Jahre alte Ex-Nationalspieler bekam ausgerechnet aus jener politischen Ecke Zuspruch, die ihm als einstigen linken Szenegänger und zeitweiligen Hausbesetzer »nicht ferner liegen könnte«, wie er selbst sagt. 

Dürfen oder sollen Profisportler nichts mehr sagen? Michael Ilgner als Sporthilfe-Chef widerspricht: »Athleten haben den Kopf nicht nur zum Medaillen umhängen. Sie sollen auch nach dem Sport noch fähig sei, eine gute Rolle in der Gesellschaft zu spielen.« 

Soziale Netzwerke wie Twitter hätten den Vor- und den Nachteil der Verkürzung und der Zuspitzung von Meinungen, erklärte Ilgner. »Deshalb muss man schon überlegen, welches Thema und welche Diskussion man in welchen Medien anschieben sollte.« Er betonte jedoch auch, dass man den mündigen Athleten fördere. 
Kretzschmar steht zu seinen Aussagen und wünscht sich eine größere Akzeptanz anderer Ansichten. Er sei überrascht von dem, was aus seinen ursprünglichen Aussagen gemacht werde, sagte er am Montag in Berlin. 
»Aber ich weiß auch, dass ich mich für das, was ich gesagt habe, nicht rechtfertigen muss und auch nicht weiter rechtfertigen werde, weil es für mich völlig okay ist, so wie ich es gesagt habe.« 
Den Wirbel ausgelöst hatte der Ex-Handballer mit einem Interview bei t-online.de vergangene Woche. 
»Welcher Sportler äußert sich denn heute noch politisch? Es sei denn, es ist die politische Mainstream-Meinung, wo man gesagt hat: »Wir sind bunt« und »Refugees welcome«. Wo man gesellschaftlich eigentlich nichts falsch machen kann.« 
Eine gesellschafts- oder regierungskritische Meinung dürfe man in diesem Land nicht mehr haben, so Kretzschmar: »Das wird dir sofort vorgeworfen.« Daraufhin hatte etwa die AfD Heidelberg seine Äußerungen via Twitter weiterverbreitet. Kretzschmar hatte sich schon vorher falsch verstanden gefühlt. 
»Wenn man meine Biografie kennt, ist die Instrumentalisierung meines Interviews von politischen Gruppierungen, die meiner eigenen politischen Einstellung nicht ferner liegen könnten, schon grotesk«, sagte der 218-malige Nationalspieler. Kretzschmar sieht seine Aussagen aus dem Kontext gerissen. 

dpa