Fußball

Geisterspiel-Reportage: »Kick it« vor leeren Rängen

Ruwen Möller
24. Mai 2020, 10:45 Uhr

Sonntag gibt es unsere große Geisterspiel-Reportage. Foto: dpa

Kiel. Vor einer Woche wurde der Spielbetrieb in der 1. und 2. Bundesliga in Deutschland wieder aufgenommen. Es wird gespielt, allerdings vor leeren Rängen. Geisterspiele stehen auf dem Programm. Doch was genau heißt das eigentlich, wie läuft so eine Begegnung ohne Fans ab, wie fühlt es sich an im Stadion an und worauf ist für die Vereine und die wenigen Personen, die mit von der Partie sind, zu achten? 

Wir wollen es genau wissen und euch darüber informieren. Als Sportredaktion von Flensborg Avis haben wir einen Presseplatz für die Partie Holstein Kiel gegen den VfB Stuttgart (Sonntag, 13.30 Uhr) erhalten und werden unsere Eindrücke, stellvertretend für die Geisterspiele in beiden Bundesligen, schildern. Natürlich schauen wir auch auf das Sportliche. Immerhin spielt zeitgleich der Hamburger SV gegen Arminia Bielefeld und somit sind die drei Top-Teams der Liga in unmittelbarer Nähe zueinander im Aufstiegsrennen aktiv. Wir wollen aber vor allem das Drumherum im Auge behalten. Dazu werden wir diesen Artikel im Laufe des Tages ständig aktualisieren und euch zudem auf unserer Facebook-Seite mit weiteren Informationen versorgen.

Vor 2 Monaten

Jetzt ist es wie immer

Wenige Minuten nach dem Spiel: das Stadion ist leer. Heute kein Wunder, weil es von Anfang an so war, aber jetzt ist erstmals an diesem Tag alles wie immer. Es ist stets beeindruckend, wie schnell ein Stadion nach einem Bundesliga-Spiel leergefegt ist. 

Die Holstein-Reservisten machen noch einige Läufe auf dem Rasen und auf der Tribüne warten die Journalisten auf die Pressekonferenz.
Die Stimmen zum Spiel gibt es bei uns am Montag in der gedruckten Ausgabe von Flensborg Avis. Wir sagen tak for nu und farvel. Unser Fazit: Irgendwie war es komisch mit den Masken und ungewohnt mit dem Drumherum. Am Ende war es aber ein ganz normales Fußball-Spiel nur ohne Zuschauer. Da die Partie unterhaltsam war, fielen die leeren Ränge wenig ins Gewicht. Dauerhaft gehören Fans aber zum Fußball, wie das Salz in die Suppe.

Vor 2 Monaten

Applaus

Verhaltener Jubel, keine Umarmungen, High-Five auf Abstand oder mit dem Ellenbogen - sieht irgendwie komisch aus, wie gejubelt werden kann bzw. darf. Immerhin hat Holstein gerade den Tabellendritten geschlagen, kann sich aber nach außen aber nur eingeschränkt darüber freuen. Immerhin gibt es noch einen Kreis des gesamten Teams und sicherlich warme Worte vom Coach Ole Werner - die sind allerdings leider nicht zu verstehen, obwohl keine Zuschauer in der Arena sind. Die Musik aus der Lautsprechern ist zu laut.

Vor 2 Monaten

Ende

Die Partie ist aus. Kiel gewinnt mit 3:2 gegen Stuttgart

Vor 2 Monaten

Aufregung

Der VfB kommt in den Strafraum. Zum wiederholten Mal springt die Bank auf, fordert einen Elfmeter. Vor allem Coach Matarazzo ist aufgebracht. Der Kölner Keller meldet nach Überprüfung der Bilder aber: alles sauber.

Vor 2 Monaten

Nachspielzeit

Drei Minuten Nachspielzeit werden angezeigt. Kiels Trainer Ole Werner fordert. "Weiter nach vorne spielen".

Vor 2 Monaten

Fünfter Wechsel

Der VfB wechselt zum fünften Mal in diesem Spiel. Seit dem Re-Start der Bundesliga ist dies erlaubt und die Gäste nutzen es aus. Auch Holstein zieht nach und bringt zwei neue Spieler, auch hier ingesamt fünf Wechsel.

Vor 2 Monaten

Anschlusstreffer

Der VfB verkürzt. Schöner Pass in die Schnittstelle, die Holstein-Abwehr ist ausgehebelt und Silas Wamangituka (87.) trifft zum 3:2. Es wird doch nochmal spannend in den letzten Minuten.

Vor 2 Monaten

Die Entscheidung

Nur eine Minute später patzt der VfB wieder in der Defensive. Diesmal schiebt Lion Lauberbach (79.) ins leere Tor ein. Holstein Kiel führt 3:1.

Vor 2 Monaten

Erneute Führung

Holstein wieder vorne. Jannik Dehm (78.) trifft und macht anschließend den Klose-Salto - so hat der genug Abstand zu den Kollegen beim Jubel. Gar nicht schlecht diese Idee. Der VfB leistete sich zuvor einen katastrophalen Ballverlust in der Vorwärtsbewegung. Mit vier gegen zwei liefen die Kieler aufs Tor zu und machen den zweiten Ball rein.

Vor 2 Monaten

Einladung zur Pressekonferenz

Es sind noch knapp 25 Minuten zu spielen, da kommt die von der KSV-Medienabteilung angekündigte Mail zur späteren Pressekonferenz. Über einen Link gelangt man nach der Partie in einen quasi virtuellen Presseraum. Dort werden die beiden Trainer die Fragen der Journalisten beantworten. Frage können mit digitalem Handzeichen oder vorab schriftlich via WhatsApp eingereicht werden - na dann, wir sind gespannt.

Vor 2 Monaten

Die Vorschriften

Während die Spieler auf dem Feld - und die Trainer an der Seitenlinie - keine Maskenpflicht haben, sitzen auf der Tribüne alle Anwesenden mit Mundschutz. Zwei Mitarbeiter aus der Stuttgarter Scouting-Abteilung werden umgehend von einem Ordner darauf hingewiesen, dass sie mit den Mindestabstand von zwei Metern einhalten müssen (dieser ist von 1,5 M nochmal angehoben worden). Ein Medienkollege wird zudem sofort ermahnt, als er seine Maske kurz abnimmt, um etwas zu essen. Die Vorschriften werden hier streng kontrolliert und umgesetzt.

Vor 2 Monaten

Der Ausgleich

In der 59. Minute trifft Nicolas Gonzalez vom Punkt zum 1:1. Der eingewechselte Hamadi Al Ghaddioui war zuvor von Gelios zu Fall gebracht worden. Der KSV-Keeper kam den Bruchteil einer Sekunde zu spät, griff statt des Balles die Beine seines Gegners. Da es keine Proteste der Kieler gab, war der Pfiff durchaus gerechtfertigt. 

Im Gegenzug scheiterte der Kieler Alexander Mühling (60.) am Pfosten.

Vor 2 Monaten

Elfmeter

Nachdem der VfB zuvor schon zwei haben wollte, bekommt er jetzt einen Elfmeter. 

Vor 2 Monaten

Kiel hat alles im Griff

Stuttgart versucht sich mit noch mehr Einsatz und Dominanz, mit einem Mann weniger ist es aber noch schwieriger für die Gäste die gut organisierte Kieler Defensive zu überwinden.

Vor 2 Monaten

Zweiter Durchgang

Es geht weiter. Der VfB wechselt. Stuttgart bringt Hamadi Al Ghaddioui und Mario Gomez bleibt in der Kabine.

Vor 2 Monaten

Es wird bunt - der Kapitän geht

Kurz vor der Pause: Stuttgart nur noch zu zehnt. Vor vier Minuten holte sich VfB-Kapitän Daniel Didavi wegen Meckerns die Gelbe Karte ab. Nun folgte in der 45. Minute ein Foul der Kategorie "sau blöd". An der gegnerischen Strafraumgrenze ging er mit offener Sohle in einen Zweikampf, traf seinen Gegenspieler und durfte mit Gelb-Rot direkt in die Kabine verschwinden.

Zur Pause führt Holstein mit 1:0.

Vor 2 Monaten

Liveticker

Unser Liveticker immer auf der Startseite.

Übrigens gibt es zu jedem Bundesliga-Spiel (1. und 2. Liga) auf unserem Portal immer einen Liveticker. Diesen findet ihr auf unserer Startseite (siehe Foto von heute). Zur Partie Kiel gegen Stuttgart geht es auch hier.

Vor 2 Monaten

Ist es eigentlich ein gutes Spiel?

Die große Frage, die wir uns in der Redaktion nach dem ersten Geisterspiel-Wochenende vor einer Woche gestellt haben: sind die Spiele eigentlich auch schlechter als sonst? Die Stimmung ist es, denn Stimmung gibt es gar keine. Aber was ist mit den Leistungen der Teams. Vor leeren Rängen haben die Auftritte gefühlt irgendwie etwas von Testspiel im Trainingslager. Ein Kick ohne Aussagekraft. Der große Unterschied ist jedoch: hier geht es um Punkte. Und das macht die Spiele am Ende auch besser, zumindest das hier in Kiel. Die Partie ist intensiv und ansehnlich. Stuttgart müht sich ab, hat aber eine gute Spielanlage. Holstein hält mit guter Defensiv-Taktik und den entsprechenden Mitteln dagegen. Es ist unterhaltsam.

Übrigens: in Hamburg steht es 0:0.

Vor 2 Monaten

Zum Spiel

Eine knappe halbe Stunde ist hier jetzt rum. Der VfB ist optisch klar überlegen, hat gefühlt 100 Prozent Ballbesitz. Gomez hatte eben eine gute Chance, ansonsten steht Kiel defensiv gut und lässt nichts zu. Und führt weiterhin mit 1:0.

Vor 2 Monaten

Hau ab jetzt

"Hau ab jetzt, ich rede nicht mit dir, ich rede mit ihm", giftet VfB-Coach Pellegrino Matarazzo den Schiedsrichter-Assistenten an, als ein Foul an Gomez nicht geahndet wird. Der Trainer schimpft in Richtung des vierten Unparteiischen, als sich der Assistent einmischt. Es ist deutlich: für Stuttgart steht extrem viel auf dem Spiel. Der VfB ist als Dritter nur auf dem Relegationsplatz, darf sich eine Niederlage im Aufstiegskampf nicht erlauben. Dementsprechend im Tunnel und angespannt ist Matarazzo. 

Noch etwas wird dadurch deutlich: Spieler und Trainer müssen noch mehr als ohnehin schon aufpassen, was sie sagen. Es ist tatsächlich jedes Wort, jedes Kommando, jeder Spruch zu hören.

Vor 2 Monaten

Abstand bitte

Vor der Partie wurde wie in allen anderen Stadion an diesem Wochenende eine Schweigeminute für die weltweiten Opfer der Coronapandemie abgehalten. Damit sich diese Pandemie nicht weiter ausbreitet, finden die Spiele wie heute in Kiel ohne Besucher statt. Neben den Teams und den Verantwortlichen, dürfen einige wenige Ordner, Pressevertreter, technisches Personal und weitere Vereinszugehörige sowie Rettungskräfte und Polizisten ins Stadion. Wo normalerweise mehrere tausend Menschen zusammenkommen, sind es heute keine 300. 

Dies sorgt nicht nur für die viel beschriebene Geisterkulisse auf der Tribüne, es sorgt auch für eine andere Kulisse auf dem Rasen, sprich es ist jedes Wort der Akteure zu hören.

Vor 2 Monaten

Holstein führt

Es geht heute ums Drumherum, aber natürlich zählt auch der Sport. Und auf dem Platz geht es gleich intensiv los. Nach einem Katastrophen-Fehlpass von Holsteins Stefan Thesker wird Mario Gomez auf die Reise geschickt. Kiel Schlussmann Ioannis Gelios spitzelt ihm den Ball vom Fuß. Der Ex-Nationalstürmer beschwert sich über das Schieben von Thesker. Vor allem, nachdem auf der Gegenseite Emmanuel Iyoha (7.) die frühe Führung für die Hausherren erzielt.

Jetzt kommt übrigens das, was viel schlimmer als jede Geisterkulisse ist: in Köln im Videokeller muss der Treffer zunächst wegen einer abseitverdächtigen Position von Iyoha überprüft werden, bevor es weitergeht. 22 Spieler und die etwa 230 weiteren Menschen im Stadion - so viele sind insgesamt anwesend - starren ins Leere. Dann endlich der Pfiff des Schiedsrichters, es ist amtlich: Kiel führt.

Vor 2 Monaten

Spiel läuft ...

Die Partie hat begonnen. Zur richtigen Einstimmung gab es auf der Hinfahrt die zweite Folge vom Podcast »Weiches Holz« von KSV-Kapitän Hauke Wahl und Torge Paetow vom SC Weiche Flensburg 08. Hier berichtete Wahl u. a. von der ersten Geisterspiel-Erfahrung am vergangenen Wochenende bei Jahn Regensburg. Mit 2:0 hatte Kiel geführt, am Ende nur 2:2 gespielt, woraufhin Wahl davon sprach, dass Kiel »Mit die dämlichste Mannschaft« sei. Warum? Weil zum wiederholten Mal eine Führung verspielt und eine gute Leistung nicht entsprechend belohnt wurde. Eine knappe Stunde dauert die Episode, pünktlich auf dem Parkplatz am Stadion ist sie beendet. Von hier aus geht es zunächst in ein Vorzelt. Die Maske ist bereits angelegt, die Hände werden desinfiziert, Fieber gemessen, der Ausweis zum zweiten Mal gecheckt und die Pressekarte ausgehändigt. Nach ein wenig Verwirrung, ob Journalist, Fotograf, Reporter und wo man hingeschickt werden muss, geht es schließlich auf den richtigen Platz auf der Medientribüne.

Vor 2 Monaten

Komische Sache

Geisterspiel Holstein gegen Stuttgart also. Gleich geht es los. Wird es gruselig? Gibt es Geistesblitze (oder gar Geisterblitze)? Schon vor dem Anpfiff steht fest: es ist eine gewöhnunsbedürftige Sache so ein Geisterspiel.


Vor 2 Monaten

Der Akkreditierungs-Antrag

Auch bzw. besonders bei einem Geisterspiel heißt es, zunächst einen Akkreditierungs-Antrag zu stellen. Also rufen wir bei Wolf Paarmann, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der KSV Holstein an. Der erklärt uns, dass neben den TV-Kollegen nur zehn weitere Journalisten und insgesamt lediglich drei Fotografen für die Partie gegen Stuttgart zugelassen werden. Die begrenzte Anzahl an Kollegen ist ein Teil des Hygienekonzepts der DFL (Deutsche Fußball-Liga). Es gibt jedoch Hoffnung auf einen Platz für uns, da Pro Medium nur ein Vertreter zugelassen wird.

Anfang dieser Woche gibt es das "Go", wir haben einen Platz bekommen. Doch einfach anreisen und ins Stadion spazieren ist nicht. Neben der inhaltlichen Vorbereitung auf die Partie gilt es diesmal noch ein paar andere Dinge zu tun. Drei Tage vor der Partie gibt es eine Mail aus Kiel. Im Anhang jede Menge Dateien. Informationen zum Hygienekonzept am Spieltag im Stadion. Eine ausführliche Beschreibung der Laufwege für die Journalisten im Stadion und es gilt einen Fragebogen zum eigenen Gesundheitszustand auszufüllen. Dazu natürlich Datenschutz-Bemerkungen, verteilt über ganze zwei Seiten DIN A4.
Was ist sonst noch zu beachten? Kopfhörer mitbringen, die Pressekonferenz wird im Anschluss per "Zoom" abgehalten. Die Pressevertreter bleiben auf der Tribüne sitzen und Holstein-Trainer Ole Werner schaltet sich aus dem Medienraum dazu. Stimmen der Spieler werden per WhatsApp in einer extra eingerichteten Spieltagsgruppe verschickt. Dafür haben wir uns natürlich schon angemeldet.
Während des gesamten Stadion-Aufenthalts gilt für die Presse: ein Mund- und Nasen-Schutz, sprich eine Maske ist zu tragen. Zum Glück haben wir schon eine mit Fußball-Motiven in unserem Besitz. Die wird ebenso eingepackt wie Kaffee und belegte Brötchen. Denn es gibt einen besonders wichtigen Satz in den ganzen Holstein-Unterlagen und der geht so: "Selbstversorgung: Da es kein Catering geben wird, ist es ausdrücklich gestattet, Getränke und Lebensmittel mit ins Stadion zu nehmen."
Na dann, auf nach Kiel ... 

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