14.09.2019

UPDATE: Nordfrauen eroberten Berlin

Handball

Der TSV in der Saison 2019/2020. Foto: Lars Salomonsen

Berlin. Der natürliche Feind des Fuchses ist die Schildkröte. Ein Satz, der möglicherweise in die Biologie-Bücher des Landes geschrieben werden muss, zumindest nach diesem Wochenende. Denn der TSV Nord Harrislee, genannt die Turtles, lieferte am Sonnabend den lebenden Beweis dafür: durch den 28:22 (13:11)-Erfolg bei den Füchsen Berlin. Die Nordfrauen feierten den zweiten Sieg im zweiten Spiel und verbuchen nun 4:0-Punkte.

Anders als die bekannten Schildkröten-Arten kommen die Turtles traditionell über das Tempo-Spiel. Und wie! Schneller als jede Füchsin spielte der TSV die erste und zweite Welle, ein Messgerät der Laufdistanz würde an dieser Stelle gut tun. 

»Das gesamte Kollektiv hat unglaublich überzeugt«, jubelte Trainer Herluf Linde am Abend. Auch Co-Trainer Peer Linde stimmte mit ein. »Ein tolles Spiel« hatte er gesehen, »bei dem wir in jeder schwierigen Situation die nötige Ruhe gezeigt und die richtigen Entscheidungen getroffen haben.«

Heißt: Als der Fuchsbau aufgrund eines 4:0-Laufs der Gastgeber noch einmal laut wurde, hatte der TSV die richtige Antwort parat. Anna Blödorn, erfahrene Bundesligaspielerin, konnte bis zur 48. Minute sechs Tore erzielen. Taktisch flexibel stellte Harrislee um, aus der 6-0 wurde eine offensivere Deckung mit wechselnd Milena Natusch und Matilda Pleger an der Spitze, die sie in Fuchs-Deckung nahmen. Nicht unwahrscheinlich, dass sie ihr bis in die Kabine gefolgt wären, Blödorn erzielte keinen Treffer mehr. 

Mit der Abwehr als Prunkstück und Torhüterin Sophie Fasold im Rücken, konnte der TSV »den Gameplan« (Peer Linde) perfekt umsetzen. Nur zweimal führten die Füchse (1:0 und 2:1), die selbst noch einen Trainerwechsel zu verdauen hatten: Kurz vor dem Spiel wurde bekannt, dass der portugiesische Trainer Paulo Costa zurück in die Heimat geflogen sei. Die ehemalige Nationalspielerin Susann Müller wurde vor dem Anpfiff von den Fans begrüßt. Ihr erstes Spiel überhaupt als Trainerin wurde der 31-Jährigen vermiest. 

Die Turtles machten sich derweil auf den Heimweg, um sich zurückzuziehen - bis in der kommenden Woche mit Freiburg der nächste Gegner in die heimischen Gefilde kommt.

Finn-Ole Martins

Statistik

Füchse BerlinTSV Nord Harrislee (11:13) 22:28
Berlin: Pagel, Krüger – Kolosove (1), Ansorge (1), Tolic (6 – 4/4), Kunde (1), Gouveia, Blödorn (6), Svirakova (1), Linke (1), Dekker (5), Förster, Eckardt.
Harrislee: Tiedemann, Fasold – Natusch (1), Woch (9 – 2/3), Heider (3), Pleger (2), Frauenschuh, Carstensen (4), Lauf (3), Andresen, Peters (5), Rahn (1), Kautz, Jeß, Klingenberg.
Zeitstrafen: Ansorge – Natusch, Heider, Carstensen (2), Andresen, Jeß.
Schiedsrichter: Felix Pusch, Stefan Weiße (Hoyerswerda).