EM Polen
Michael Biegler und die andere Herausforderung
Krakau. Auf den Schultern von Michael Biegler lastet von diesem Freitag an eine große Last, denn der deutsche Trainer soll die polnischen Handballer zum Titel im eigenen Land führen, nicht weniger erwartet die Öffentlichkeit. Mit der Partie gegen Serbien startet die Auswahl des polnischen Verbandes (ZPRP) in die Europameisterschaft. Durch die Krakau-Arena, in der die polnische Mannschaft alle Partien austrägt und in der am 31. Januar das Endspiel steigt, wird eine weiß-rote Welle der Begeisterung schwappen. Biegler wird die Partien seiner Mannschaft mit aufgerissenen Augen und wild gestikulierend begleiten. Die Sport-Welt wird dann den Handballlehrer erleben, der hochemotional am Spielfeldrand und streitbar in der Vor- wie Nachbetrachtung ist. Zu Beginn dieser Woche deutete noch nichts darauf hin. Zwei Tage Auszeit gönnte Biegler sich und seinen Spielern nach einer intensiven Phase der Vorbereitung. Der 54-Jährige kehrte zu seiner Familie nach Großwallstadt zurück. »Hier kann ich in Rekordzeit abschalten«, sagt Biegler und wenn er sich im Kreise seiner Familie befindet, scheint es, als wohnten in seinem Körper verschiedene Persönlichkeiten. Ein Fall für den Psychologen ist der vielschichtige Mann aber nicht, vielmehr besitzt er eine selten gewordene Eigenschaft: Er ist zu 100 Prozent authentisch. Biegler ist viel herumgekommen. Seit 1985 arbeitet er als Co-Trainer und Chefcoach, 13 Vereinsmannschaften betreute er. »Beagle«, wie er in Handballer-Kreisen genannt wird, ist eine Marke und es gibt niemanden, der an seiner fachlichen Kompetenz zweifelt. Der Sprung zu einem Topklub im Oberhaus blieb aber all die Jahre aus. Vermutlich, weil der geradlinige Biegler zu unbequem erschien. Und vermutlich auch, weil es Vorbehalte gegen ihn gab. Vor 16 Jahren befand sich Biegler am Abgrund. Alkohol- und Medikamenten-Missbrauch hatten ihn dorthin gebracht. Das Umfeld des Profisports bietet Gefahren sowie Verlockungen und der Trainer drohte, ihnen zu erliegen. Doch soweit kam es nicht, ein befreundeter Arzt und seine Mutter halfen ihm, aus der Abstiegsspirale auszubrechen. Und er selbst.

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