12.09.2019

Zeitstrafen brechen der SG das Genick

Handball

Johannes Golla machte eine gute Partie für die SG Flensburg-Handewitt, hatte aber nur selten so viel Platz in der Deckung des THW Kiel. Foto: Lars Salomonsen

Kiel. Die SG Flensburg-Handewitt hat im 101. Nordderby gegen den THW Kiel den Kürzeren gezogen. Bei der 24:28-Niederlage zeigte die SG zwar viel von ihrem Potenzial, offenbarte aber noch ihre Baustellen. Eine Zeitstrafenflut, sowie eine steigende Fehlerzahl in der Schlussphase, machten einen Erfolg in Kiel unmöglich. Immer wenn die Flensburger dran waren, musste sie in Unterzahl spielen. So muss die Champions League mit der Partie in Celje am Sonntag (17 Uhr) zum neuerlichen Schwung holen herhalten.

Dass das Nordderby, auch beim 101. Mal immer noch die Massen elektrisiert, bewies die bis auf den letzten Platz gefüllte Arena in Kiel bereits vor Anpfiff. So scharrten nicht nur die Spieler, sondern auch die Anhänger beider Mannschaften kräftig mit den Hufen. 


SG-Trainer Maik Machulla setzte dabei von Beginn an auf Torbjørn Bergerud im Gehäuse, ein Schachzug, der sich zumindest in der Anfangsphase bezahlt machte. Der Norweger kaufte den Rückraumschützen des THW reihenweise Würfe ab und spätestens, als Bergerud nach fünf Minuten einen Konter von Magnus Landin hielt, war die SG in der Abwehr in Kiel angekommen. Der Angriff der Flensburger hatte in der Anfangsphase allerdings so seine Probleme in die Partie zu finden.

Die Gäste fingen sich in der Folge aber und konnten wieder aufschließen. Eine kleine Zeitstrafenwelle brachte die Flensburger aber etwas aus dem Tritt. Die Gastgeber nutzten dies, um sich einen Zwei-Tore-Vorsprung zur Mitte des ersten Durchganges zu erspielen. Allerdings lies sich Flensburg nicht abschütteln, weil Bergerud  weiterhin große Lust an diesem Spiel hatte.

Maik Machulla versuchte die Heimmannschaft vor unterschiedliche Aufgaben zu stellen, brachte Simon Jeppsson und Michal Jurecki und stellte zudem in der Deckung auf eine 5:1-Abwehr mit Jeppsson in der Spitze um. Die Umstellung hatte aber nur kurz bestand. Erneute Zeitstrafen machten der SG das Leben schwer, der THW Kiel nutzte die Möglichkeiten und konnte seine Führung ausbauen.

Bis zur Pause fand die SG die richtige Melodie nicht wieder, der 13:18-Rückstand zur Halbzeit war die entsprechende Konsequenz. Die Wucht aus dem THW-Rückraum machte der SG nicht überraschend zu schaffen, trotz eines gut aufgelegten Torbjørn Bergerud. Zudem waren alleine vier Zeitstrafen im ersten Durchgang auch nicht für den Spielrhythmus förderlich.

Die Gäste setzten zu Beginn der zweiten Halbzeit erneut auf die offensive 5:1-Abwehr und konnte gleich durch zwei Treffer von Gøran Søgard Johannessen und Jim Gottfridsson auf 16:18 verkürzen. Die Zuversicht im SG-Lager war zurück und die Halle ob der Ballverluste der Heimmannschaft deutlich leiser.

Selbst eine erneute Hinausstellung brachte die Gäste nicht aus der Fassung und Magnus Jøndal war es von Linksaußen vorbehalten, nach nur sieben Minuten der zweiten Halbzeit, den 18:18-Ausgleich zu erzielen. Die Flensburger hatten den Schlüssel gefunden und zumindest zwischenzeitlich die Zebras an die Kette gelegt.

In Führung gehen konnte die SG Flensburg-Handewitt aber nicht. Eine weitere Zeitstrafe und daraus resultierend ein Treffer ins leere Tor, machten den Schwung zu Nichte. In Gleichzahl blieben die Gäste aber im zweiten Durchgang besser als die Gastgeber. So ging es Tor um Tor in die Schlussphase.

In dieser sollte sich der eigewechselte Niklas Landin zu einem echten Faktor für die Kieler aufschwingen. Innerhalb von wenigen Minuten kaufte der dänische Nationaltorhüter den Gästen gleich vier Würfe ab und ermöglichte den Hausherren die erneute Führung. Der nicht endende Strom an Zeitstrafen erschwerte eine neuerliche Aufholjagd am Ende genauso sehr, wie die sich einschleichenden Fehler im Angriff.

Am Ende stand neben der 24:28-Niederlage auch die Erkenntnis, dass die SG Flensburg-Handewitt zwar eine gute Partie beim starken THW Kiel abgeliefert hat, aber auch noch nicht alles reibungslos läuft. Die vielen Zeitstrafen und die zum Ende steigende Fehlerzahl machten einen Punktgewinn beim THW unmöglich. So muss die Champions League, mit dem Spiel in Celje am Sonntag, zum weiteren Feintuning herhalten.


Timo Fleth

Statistik

THW Kiel: N. Landin, Quenstedt - Duvnjak, Reinkind 3, M. Landin 4, Kristjansson, Weinhold 2, Wiencek 2, Ekberg 5/3, Rahmel, Dahmke, Zarabec, Horak, Bilyk 3, Pekeler 4, Nilsson 5.

SG Flensburg-Handewitt: Buric, Bergerud -  Golla 3, Hald, Glandorf, Svan 1, Wanne 2/1, Jeppsson 1, Jøndal 3, Steinhauser 2, Versteijnen, Zachariassen 2, Johannessen 5, Gottfridsson 1, Rød 4, Jurecki.
Zeitstrafen: 2:7 (Weinhold, Wiencek - Golla, Svan, Hald, Jurecki, Zachariassen, Rød, Jøndal)
Siebenmeter: 3/3:1/1
Schiedsrichter: Robert Schulze/Tobias Tönnies.
Zuschauer: 10.280 (ausverkauft)