Holstein Kiel stolz nach grandioser Hinrunde
Braunschweig/Kiel. Der sportliche Gabentisch bei Holstein Kiel ist so reich gedeckt wie seit Jahren nicht. Da spielt es für die Protagonisten keine Rolle, ob auch noch ein Titel hinzukommt. »Jetzt haben wir 33 Punkte auf dem Konto. Da ist es egal, ob wir Erster, Zweiter, Dritter oder Vierter in der Tabelle sind«, sagte Trainer Markus Anfang nach dem 0:0 im Nordderby bei Eintracht Braunschweig und konstatierte eine »tolle Hinrunde. Das war mehr als gut.« Mit der vierten Punkteteilung in Serie vertagten die »Störche« die Entscheidung über die Herbstmeisterschaft in der 2. Fußball-Bundesliga auf Montagabend. Gewinnt Fortuna Düsseldorf gegen den 1. FC Nürnberg, ziehen die Rheinländer an den Kielern vorbei. Wenn nicht, dann eben nicht. Auf einem Aufstiegsplatz mit gehörigem Abstand zu den Verfolgern bleibt der deutsche Meister von 1912 auf jeden Fall. Und das ist die wichtigste Momentaufnahme, auch wenn die Protagonisten die »Durststrecke« der Sieglos-Partien an der Hamburger Straße in Braunschweig gern beendet hätten. »Wir waren die klar bessere Mannschaft. Man hat gesehen, wie die Braunschweiger gemauert haben. Man kann schon fast von Angst sprechen«, befand Flügelflitzer Steven Lewerenz treffend. »Wir hätten als Sieger vom Platz gehen müssen«, meinte Spielmacher Dominick Drexler völlig zurecht. Dazu hätte die stärkste Abteilung Attacke der 2. Liga aber auch ins gegnerische Tor treffen müssen. Und das gelang vor 21.075 Zuschauern, da­runter 1500 Kieler Schlachtenbummler, trotz aller Bemühungen nicht. Vor allem in der Schlussphase rollte Angriff auf Angriff auf das Eintracht-Tor. In der Nachspielzeit lag der Ball sogar im Netz, aber Schiedsrichter Benedikt Kempkes erkannte Rafael Czichos' Tor wegen eines Fouls an Braunschweigs Keeper Jasmin Fejzic nicht an. Holstein Kiels Kapitän hätte sich natürlich zu gern seinen zweiten Saisontreffer anschreiben lassen. Aber wirklich wichtig war ihm das nicht. »Wir kommen nach Braunschweig und treffen auf einen Gegner, der nur hinten drin steht. Da können wir mal sehen, was wir diese Saison geleistet haben. Respekt vor unserem Team«, sagte der Turm in der Schlacht einer Hinrunde, wie sie dem Aufsteiger nicht mal die kühnsten Optimisten zugetraut hätten. Das ist Fakt - egal, ob am Montag auch noch der Herbstmeistertitel hinzukommt oder nicht. Gert Glaner, dpa