Handball

Hanning sieht die SG in der Favoritenrolle

Ruwen Möller
06. März 2020, 17:20 Uhr

Bob Hanning. Foto: Tim Riediger

Flensburg/Berlin. Am Sonntag tritt die SG Flensburg-Handewitt bei den Füchsen Berlin an. Wir sprachen vorab mit Füchse-Geschäftsführer Bbb Hanning, gleichzieitig DHB-Vizepräsident.


Flensborg Avis: Herr Hanning, Berlin gegen Flensburg ist das Duell Fünfter gegen Zweiter. Die SG liegt fünf Punkte vorne. Ist es für Ihre Füchse die letzte Chance, um noch ernsthaft in die Champions League-Qualifikation einzugreifen? 
Das ist es. Wobei es für uns eher darum geht, überhaupt die Europacup-Qualifikation abzusichern. Für uns ist es aufgrund unserer Verletzten-Situation extrem schwer. Sie sprechen es an. 

Genau wie Flensburg ist auch Ihr Team in dieser Saison extrem von Verletzungen geplagt. Wie gehen Sie damit um? 
Ich habe die Lage in Flensburg nicht im Detail verfolgt, aber für uns ist es ein Debakel. Mit beispielsweise Paul Drux, Fabian Wiede, Simon Ernst oder auch Mattias Zachrisson fallen wichtige Leute bereits extrem lange aus. Bei Drux und Wiede hoffen wir, dass sie uns nach der Olympia-Qualifikation im April wieder zur Verfügung stehen. 

Ist das auch der Grund, weshalb die SG als Zweiter anreist und Berlin auf Platz fünf liegt? 

Ganz klar. Mit unseren Ausfällen sind wir auf dem allerhöchsten Niveau nicht konkurrenzfähig. Wir müssen das einfach akzeptieren und tun das auch. 

Sind die Verletzungen nicht aber auch eine Ausrede, für die anderen Spieler, sich dahinter zu verstecken? 
Einige Punkte haben wir liegen lassen, die hätten wir auch mit den vielen Verletzten nicht liegenlassen dürfen. Sicherlich haben wir hier und da auch zu viel lamentiert, aber insgesamt hat das Grundverständnis unter allen Beteiligten am Ende nicht mehr funktioniert und auch deshalb haben wir uns letztlich zu dem Trainerwechsel entschieden (die Füchse Berlin hatten nach der 30:32-Heimniederlage gegen Nordhorn vor einer Woche Velimir Petkovic freigestellt und Michael Roth als dessen Nachfolger verpflichtet/Red., wir berichteten). In meinen 16 Jahren bei den Füchsen war es die erste vorzeitige Trainerentlassung überhaupt, von daher darf man mir glauben, dass sie notwendig war. 

Insgesamt ist die Liga ausgeglichener, aber nur hinter Kiel und Flensburg - warum stehen die beiden Nordlichter wieder ganz vorne? 
Weil sie von Anfang an eine stärkere Breite im Kader hatten. Zudem ist das Wechsel-Management von Filip Jicha gut aufgegangen und er hat alle Spieler mitgenommen. Ich bin zudem nicht überrascht, dass Flensburg wieder ganz vorne dabei ist, sie haben ein gutes Team. 

Wie steht es um Ihren neuen Coach. Ist Michael Roth bereits ein bisschen angekommen? 
Das ist er und Michael tut uns gut. Er kann die Personalproblematik auch nicht lösen, aber kann evt. aus dem einen oder anderen wie Michael Müller oder Silvio Heinevetter, der bislang etwas zu kurz kam, noch einige Prozentpunkte rausholen. 

Was geht noch für Berlin in dieser Saison? 
Wir müssen alles dafür tun, dass wir nächste Saison wieder europäisch vertreten sind. 

Bei Flensburg steht mit Johannes Golla auch ein deutscher Nationalspieler im Aufgebot. Wie beurteilen Sie als DHB-Vize dessen Entwicklung? 
Ich bin sehr überzeugt von ihm. Als er während der EM im Januar noch in der Reserverolle war, habe ich einige Spiele neben ihm auf der Tribüne gesessen und ich muss sagen, er ist ein guter Junge. Er ist klar im Kopf, ein klarer Charakter, hat eine gute Idee, analysiert gut und kann die Dinge entsprechend umsetzen. Auf der Kreisläufer-Position muss sich Deutschland keine Sorgen machen. 

Den nächsten Sieg in Berlin sollte Golla Ihrer Meinung nach aber sicherlich erst im April holen, wenn er mit Deutschland das Olympia-Qualifikationsturnier in der Hauptstadt bestreitet? 
Das wäre schön, mir fehlt angesichts der Lage aber ernsthaft der Glaube daran, dass es so kommen wird. Wobei, wenn bei uns alles optimal zusammenkommt, können wir auch am Sonntag gewinnen.

Ruwen Möller